Fossiler Weberknecht hatte doppelt so viele Augen wie heutige

16. April 2014, 14:49
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Uralte Gruppe von Spinnentieren hat sich im Lauf der Evolution deutlich verändert

Berlin - Weberknechte (Opiliones) gehören zu den Spinnentieren, sind aber keine Spinnen im engeren Sinne. Von diesen - also den Webspinnen - unterscheidet sie unter anderem, dass Vorder- und Hinterkörper miteinander verwachsen sind und dass sie Stinkdrüsen anstelle von Spinn- oder Giftdrüsen haben.

Zudem haben Weberknechte statt der acht Augen von Webspinnen nur zwei - zumindest gilt das für heutige Weberknechte. In der Frühzeit dieser mindestens 400 Millionen Jahre alten Tiergruppe sah dies offenbar noch anders aus, wie das Berliner Museum für Naturkunde berichtet. In Frankreich wurde nämlich ein fossiler Weberknecht gefunden, der vier Augen hatte.

Reste noch heute erkennbar

Der Fund stammt aus dem späten Karbon und ist etwa 305 Millionen Jahre alt. Die bislang unbekannte Spezies weist eine Kombination von Merkmalen auf, die in keinem der modernen Weberknechte vorkommen. So hat das Tier zwei Augenpaare und wurde dadurch einer neuen, ausgestorbenen Unterordnung mit dem Namen Tetraophthalmi (also "Vieraugen") zugeordnet. Die heutigen Weberknechte haben entweder zentral oder seitlich angeordnete Augen. Die Art aus dem Karbon hingegen hatte beides, was näher am Grundmuster der Spinnentiere im Allgemeinen liegt.

Aufbauend auf diesen Erkenntnissen gingen Forscher um Jason Dunlop vom Berliner Museum für Naturkunde der Frage nach, ob sich auch bei heutigen Weberknechten noch Spuren dieser uralten Anatomie finden lassen. Tatsächlich ließen sich bei Weberknecht-Embryonen Gene ausfindig machen, die in der Vergangenheit zusätzliche Seitenaugen bildeten. Im Lauf der Evolution dieser Tiergruppe wurden die betreffenden Gene offenbar irgendwann "ausgeschaltet". (red, derStandard.at, 16. 4. 2014)

 

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