"True Detective": Weil es verdammt hart ist, Bester zu sein

Ansichtssache16. April 2014, 16:38
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Die HBO-Serie mit Woody Harrelson und Matthew MacConaughey waten im tiefen Verbrechenssumpf ab Donnerstag auf SkyAtlantic HD

Wien - 437.000 Menschen wurden  im Jahr 2012 ermordet, berichtet das UN-Büro zur Bekämpfung von Drogen und Kriminalität (UNODC). 80 Prozent der Opfer und 95 Prozent der Täter sind Männer. 15 Prozent aller Morde haben mit häuslicher Gewalt zu tun - und davon sind vor allem Frauen betroffen.

foto: jim bridges/hbo

Die Mordverhältnisse im Fernsehen sind genau umgekehrt. In "True Detective", ab Donnerstag im Abokanal Sky Atlantic HD, beginnt es mit einer toten Frau, nackt, vor einem Baum kniend, ist sie an einen Ast gefesselt und trägt ein Hirschgeweih am Kopf. Eine männliche Trophäe, hier wurden Einer Hörner aufgesetzt, das erkennen auch gleich die Ermittler Martin Hart (Woody Harrelson) und Rustin Cohle (Matthew MacConaughey). Ob der Täter im Kreise ihrer Bekannten zu finden ist, muss noch geklärt werden.

Klar ist allerdings, dass in dieser ikonographisch eingerichteten Anfangssequenz es keineswegs darum geht, reale Verhältnisse abzubilden, sondern wie in jedem guten Krimi, in eine fremde Welt einzuführen. In diesem Fall ist es der gut erforschte und gleichzeitig ziemlich mysteriös gebliebene Bereich der männlichen Psyche: Der Mann, im speziellen der Cop - das unbekannte Wesen.

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foto: hbo

Einmal mehr liefert HBO mit "True Detective" ein Serienjuwel ab, für das der Abokanal großes Lob einheimst. Showrunner Nic Pizzolatto hält sich an die aus Serien wie "Sopranos", "Game of Thrones" und "Boardwalk Empire" prägenden Erkennungsmerkmale: starke Dialoge, grobe Handgreiflichkeiten, saftige Zwischenmenschlichkeiten jeder Art und das unter Verzicht auf politische Korrektheit. Und so entwickelt sich auch hier über ein Ereignis eine Parallelgesellschaft mit allen Systemerkrankungen.

"Twin Peaks" nannte Pizzolatto als Einfluss und verortete das Geschehen bewusst in den Süden. In den Sümpfen Louisianas waten Harrelson und sein Gegenpart Cohle mit nur einer tragenden Information: It's a Man's World - ja, das schon, aber das kann verdammt wehtun.

Kritik musste "True Detective" von feministischer Seite einstecken: Frauen in der Serie seien entweder falsche Schlangen, betrogene Ehefrauen oder tote Huren, warfen Bloggerinnen vor. Das scheint verkürzt, denn sie sind auch abgesandelte Trinkerinnen, verwahrloste Spastikerinnen und minderjährige Prostituierte.

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foto: hbo

Ein Punkt also, der zählt. Allerdings soll bei dieser Problematik fairerweise darauf hingewiesen werden, dass die Serie selbst diesen Vorwurf wohl ahnte und ihn immer wieder thematisiert, etwa schon in der zweiten Folge: "Why is it you add business to the mix and boys can't stand the thought? I'll tell you: it's because suddenly, you don't own it the way you thought you did", schmeißt die Prostituierte dem sich moralisch entrüsteten Hart zu.

Wenn dieser den überarbeiteten Cop gibt, der sich außerstande sieht, ein Familienleben zu führen und gleichzeitig fremdgeht, ist das ein nüchterner Abgesang auf patriarchale Strukturen. Zehn Jahre gehen nicht spurlos an den Cops vorüber. Der eine verliert Haare, dem anderen wachsen sie. Fertig sind sie beide. Das Leben, ihr Leben, hat sie zu dem gemacht, was sie sind. Empfehlung! (Doris Priesching, derStandard.at, 16.4.2014)

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