Mercedes gegen Mercedes

16. April 2014, 11:59
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Lewis Hamilton und Nico Rosberg sind freundschaftlich verbunden. Trotzdem wurde ihnen ein Verhaltenskodex ans Herz gelegt

Schanghai - Es ist beinahe ein Idyll. An der Tür von Nico Rosbergs Appartement in Monte Carlo klopft es, davor steht mit knurrendem Magen Nachbar Lewis Hamilton. Er wird hereingebeten, bald dampfen Fleischlaberln auf den Tellern. Auch Rosbergs Verlobte Vivian ist eine ganz flotte.

Selbst wenn der anglophone Hamilton die Frikadellen dann Hamburger nennen sollte, die Mercedes-Stars verstehen einander prächtig. Schmausen sie nicht, dominieren sie die Formel 1, Rosberg (61 Punkte) führt die WM-Wertung vor dem vierten Saisonrennen in Schanghai (Sonntag, 9 Uhr, ORF 1) vor seinem Stallkollegen (50) an.

Sind die Herren, die sich seit Jugendtagen kennen, dann in ihren silbernen Boliden festgezurrt, endet die Freundschaft zwar nicht, sie ordnet sich aber selbstverständlich der Professionalität des Gasfußes unter. Beim letzten Rennen in Bahrain lieferten sich Rosberg und der spätere Sieger Hamilton ein heftiges Duell an der Spitze des Feldes.

Hart aber ziemlich fair ging es dabei zu. Es gibt bei Mercedes keine Stallorder, wohl aber Verhaltensmaßregeln. Denn so sehr das offene Visier geschätzt wird, gegenseitige Abschüsse goutiert die Teamführung weniger. "Du lässt deinen Kollegen überleben", formuliert Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff. Beide seiner Piloten verdienten es, so lange wie möglich um die Weltmeisterschaft kämpfen zu dürfen.

Hamilton hat dies bereits einmal erfolgreich getan, 2008 holte er im McLaren das Championat, bei Rosberg gibt es noch Aufholbedarf. Vier GP-Siegen des Deutschen stehen 24 des Briten gegenüber, in der Weltmeisterschaft kam er bisher über einen sechsten Endrang 2013 nicht hinaus.

Sollte Hamilton auch in Schanghai triumphieren, wäre das nicht nur sein dritter Sieg in Serie, er würde mit dann 25 Erfolgen auf einer Stufe mit Niki Lauda und Jim Clark stehen.

Die Konkurrenz muss solche Gedankenspiele derzeit nicht anstellen. Red Bull Racing und Ferrari fanden sich in Bahrain weit abgehängt, es ist fraglich, ob sich daran so schnell etwas ändert. Wolffs RB-Pendant Helmut Marko: "Mercedes einzuholen ist ein Prozess." (bausch, sid, DER STANDARD, 17.4.2014)

  • Lewis Hamilton und Nico Rosberg absolvieren Rennen derzeit bevorzugt im Konvoi: In zweien von dreien gab es Doppelsiege für Mercedes.
    foto: epa/srdjan suki

    Lewis Hamilton und Nico Rosberg absolvieren Rennen derzeit bevorzugt im Konvoi: In zweien von dreien gab es Doppelsiege für Mercedes.

  • Toto Wolff muss sich aktuell keine Sorgen machen.
    foto: ap/ mark baker

    Toto Wolff muss sich aktuell keine Sorgen machen.

  • Beste Stimmung im Hause Mercedes.
    foto: reuters/edgar su

    Beste Stimmung im Hause Mercedes.

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