AC/DC: Vom Donner gerührt

17. April 2014, 05:38
294 Postings

Malcolm Young schwer erkrankt, Brian Johnson glaubt an neues Album

Sydney/Wien - Thunderstruck heißt ein Lied von AC/DC. Und wie vom Donner gerührt ist auch die globale Fangemeinde der australischen Hardrock-Band. Seit Tagen kursieren Gerüchte um das mögliche Ende der 1973 gegründeten Formation.

Ihr Gründer und Gitarrist Malcolm Young soll nach einer Hirnblutung nicht mehr in der Lage sein, zu spielen. Zumindest nicht im Moment. Der 61-Jährige werde sich daher eine Auszeit nehmen, die Band will weiterhin Musik machen, heißt es in einer Stellungnahme vom Mittwochabend. An welcher Krankheit Young leidet und ob die Band ohne ihn auf Tournee geht, bleibt jedoch offen.

AC/DC-Sänger Brian Johnson soll hingegen dem britischen Telegraph gesagt haben, die Band gehe im Mai sicher ins Studio. Doch er gab zu, dass ein Mitglied krank sei. Laut einer Vereinbarung hört die Band zu existieren auf, wenn ein Mitglied nicht mehr in der Lage sein sollte, zu spielen.

Der 1953 in Schottland geborene Malcolm wanderte mit seiner Familie im Alter von zehn Jahren nach Australien aus. Mit Bruder Angus gründete er AC/DC. Inspiriert vom Rock 'n' Roll eines Chuck Berry und Bluesmusikern verdichteten sie ihre Musik im Sinne des prosperierenden Hardrock der 1970er-Jahre.

AC/DC entsagten stets jedem höheren Anspruch ihrer Kunst, sprachen davon, eigentlich dasselbe Album immer wieder zu machen. Das ist so kokett wie richtig. Aus dem frühen Bluesrock entstand gegen Ende der 1970er ein aggressiver, knapp gehaltener Hardrock. Damit eroberten AC/DC die Welt. Alben wie Let There Be Rock, Powerage oder Highway To Hell verkauften sich millionenfach. Thematisch fühlte man sich bei Mädchen, Sex, Alkohol und Drogen pudelwohl.

Back in Black

Diese auch im Privaten ausgelebten Freuden kosteten Sänger Bon Scott 1980 das Leben. Nach einer Schrecksekunde beschloss die Gruppe mit Brian Johnson als Sänger weiterzumachen und veröffentlichte im selben Jahr ihr erfolgreichstes Album: Back in Black. Ein Requiem der etwas anderen Art, mit dem Song Hells Bells als Opener.

Bis heute soll es über 60 Millionen mal verkauft worden sein, damit ist es eines der erfolgreichsten Alben aller Zeiten.

Der Erfolg von AC/DC war hart erarbeitet und buchstäblich erkämpft. Die Legende erzählt von blutigen Faustkämpfen zwischen den Young-Brüdern, wenn sie sich im_Studio nicht einig waren, welche Richtung ein Song nehmen sollte. Stur verweigerte man bis vor knapp zwei Jahren die Digitalisierung der eigenen Musik. Brauch ma net, war ihr Standpunkt. Bei über 200 Millionen verkauften Alben verständlich.

Ihr Einfluss ist enorm. Im Prinzip steht jede Hardrock- und Metal-Band des Planeten in der Schuld von AC/DC. Das Bandlogo zählt zur Ikonografie des Pop wie die Zunge der Rolling Stones. Selbst Punk zollte den verrückten Australiern Respekt, standen sie doch punkto Härte und Knappheit der neuen Mode in nichts nach.

Mitte der 1980er zog ein Teil ihres Publikums dann weiter oder nicht mehr mit, doch AC/DC folgten unbeirrt ihrer Bestimmung und erlebten wenige Jahre später den Zuspruch einer neuen Generation. Und auch die alte kehrte wieder. Kurz: AC/DC sind eine der größten Bands des Planeten.

Das könnte nun nach 41 Jahren und 17 Alben zu Ende sein. Ohne den Rhythmusgitarristen Young, der live im Schatten des exaltierten Angus seine harten, furztrockenen Riffs spielte, werden AC/DC wohl nicht weiterbestehen. (Karl Fluch, derStandard.at, 16.4.2014)

  • Sänger Brian Johnson, Bassist Cliff Williams, Leadgitarrist Angus Young, Drummer Phil Rudd und Rhythmusgitarrist Malcolm Young (v. li.) stehen möglicherweise vor der Auflösung ihrer Band AC/DC. Der Grund sollen gesundheitliche Probleme von Malcolm Young sein.
    foto: sony

    Sänger Brian Johnson, Bassist Cliff Williams, Leadgitarrist Angus Young, Drummer Phil Rudd und Rhythmusgitarrist Malcolm Young (v. li.) stehen möglicherweise vor der Auflösung ihrer Band AC/DC. Der Grund sollen gesundheitliche Probleme von Malcolm Young sein.

Share if you care.