Project Ara: Erstes modulares Smartphone soll schon im Jänner starten

16. April 2014, 11:58
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Einfaches Gerät für rund 50 Dollar Materialkosten - Noch viel Arbeit für Entwickler

Project Ara, Googles Unternehmung zur Modularisierung von Smartphone-Hardware, nimmt Fahrt auf. Erst vor kurzem veröffentlichte der Konzern das "Module Developers Kit", das als Hilfe und Leitfaden für interessierte Hersteller bei der Entwicklung neuer Komponenten dienen soll. Am Dienstag hat zudem die erste Entwicklerkonferenz begonnen, die sich ausschließlich um Ara dreht.

Obwohl das Projekt noch in einer frühen Phase steckt, gibt es bereits einen konkreten Termin. Geht alles glatt, soll das erste modulare Smartphone schon im Jänner 2015 den Markt erreichen, berichtet Pocketnow. Der Plan ist es, dass Google ein Basismodul anbietet, das den Bau eines einfach gestrickten Smartphones für Materialkosten von rund 50 Dollar ermöglicht. Die meisten anderen Komponenten – etwa Prozessor und Kamera – werden auf dieses aufgesteckt und sollen austauschbar sein.

Dichte Roadmap

Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg. Im Mai will Google die Arbeiten am Power Bus abschließen, ehe im Juli eine weitere Konferenz folgt. Im August soll ein funktionstüchtiger Prototyp jenes 3D-Druckers vorgestellt werden, der eine wichtige Rolle bei der Produktion der Module einnimmt. Über den Spätsommer und Herbst sollen alle Funktionen von Ara auf Systemebene implementiert sein und die Zertifizierungen sowie Inspektion durch Mobilfunker erfolgen.

Technische Details liefert The Verge. Zuständig für Ara ist Googles Advanced Technologies and Products-Division, kurz "ATAP". Diese befasst sich, ähnlich wie die geheimnisumrankten "Google X"-Labors mit technisch sehr ambitionierten Projekten. Während "Project Loon" und die selbstfahrenden Autos aber ohne fixer Roadmap vorangetrieben werden, operiert man dort nach Terminvorgaben und muss innerhalb einer vorgegebenen Zeit verwertbare Ergebnisse präsentieren.

Herausforderungen

Die Modularisierung eines Smartphones ist dabei keine einfache Sache. Im Laufe der Zeit wurden von den Chipherstellern immer mehr Komponenten gemeinsam mit dem Prozessor auf einer Platine vereint – darunter etwa Module für WLAN, Bluetooth oder Modems für mobiles Breitbandinternet. Der Vorteil dieses Zugangs liegt auf der Hand: Die Herstellung wird günstiger, die Geräte können dünner konzipiert werden und arbeiten stromsparender.

Ein modulares Smartphone zerlegt dieses System wieder in seine Einzelbestandteile, darf dabei aber keine zu großen Kompromisse eingehen. Im Moment rechnet man damit, dass die die ersten Geräte rund 25 Prozent dicker, energiehungriger und schwerer werden als Telefone nach "traditioneller" Bauart.

Hürden und Lösungen

Dazu gilt es bis zum Start eine Reihe technischer Hürden zu nehmen. Eine ist die Verbindung der einzelnen Bauteile zum Hauptmodul. Physische Kontakte können verschmutzen, korrodieren und auf Dauer unzuverlässig werden.

Daher nutzt Ara "kapazitive Interkonnektoren", drahtlose Kontaktstellen, die auf kurze Distanz schnelle Datenübertragung ermöglichen sollen. Damit soll ein Datenfluss von bis zu zehn Gigabit pro Sekunde zwischen den Modulen ermöglicht und etwas Platz gespart werden. Einzig CPU und Arbeitsspeicher werden nach wie vor gemeinsam auf einem Chip sitzen müssen, da selbst diese Geschwindigkeit für die Kommunikation zwischen beiden zu langsam ist.

Elektropermanentmagnete, eine Mischform aus normalen Magneten und Elektromagneten, sollen für ausreichenden Halt der einzelnen Module sorgen. Anziehungskraft von 30 Newton soll dafür sorgen, dass auch bei einem Fall des Smartphones alles an seinem Platz bleibt. Via App soll sich die Verbindung lösen lassen, etwa zum Austausch eines Moduls.

Neuer Markt

Das langfristige Ziel von Google und ATAP ist allerdings nicht, selbst zum Hardwarelieferanten zu avancieren, sondern den Grundstein für die Entwicklung eines Marktes für modulare Mobilgeräte zu legen. Daher möchte man vor allem große Fertiger für die Idee gewinnen und für Interesse bei Softwareentwicklern, Telefonherstellern und potenziellen Kunden sorgen.

"Was wir nicht wollen, ist, dass ein Nerdspielzeug entsteht, für das es außerhalb des Silicon Valley keinen Markt gibt", sagt Ara-Projektleiter Paul Eremenko. Vielmehr gehe es um das "individuellste Massenmarktprodukt, das die Menschheit je hervorgebracht hat". (gpi, derStandard.at, 16.4.2014)

  • Das erste modulare Smartphone soll im Jänner 2015 erhältlich werden.
    foto: google

    Das erste modulare Smartphone soll im Jänner 2015 erhältlich werden.

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