Versandapotheken bis zu 50 Prozent günstiger

16. April 2014, 10:44
155 Postings

Laut neuer Erhebung könnten österreichische Patienten mehrere hundert Millionen Euro pro Jahr sparen, wenn sie Preise vergleichen würden

Auf dem Webportal medikamentenpreise.at können die Preise von bislang acht deutschen, tschechischen, niederländischen und slowakischen Versandapotheken, die den österreichischen Markt beliefern, mit dem - meist einheitlichen - Preis der lokalen Apotheken verglichen werden. Dabei achtet das Angebot auf faire Voraussetzungen, denn gelistet sind nur seriöse Apotheken und in Österreich registrierte Präparate. Trotz der zusätzlichen Versandkosten, die bei geringen Bestellwerten erhoben werden, ist die Preisersparnis beträchtlich.

Preismonopol brechen

Der Preisvergleich durchbricht das faktische Preismonopol, das bislang in Österreich herrscht. Denn obwohl einige in Nachbarländern ansässige Versandapotheken bereits einige Tausend Kunden in Österreich beliefern, kassieren bislang fast ausschließlich lokale Apotheken die rund 500 Millionen Euro, die pro Jahr für rezeptfreie Einkäufe ausgegeben werden.

Insbesondere chronisch erkrankte Menschen haben hohe Apothekenkosten. Dabei sind diese in der Regel gut vertraut mit den Präparaten und können ihren Bedarf einige Tage im Voraus planen. Unter diesen Voraussetzungen können die Nachteile der Versandapotheken, nämlich die ohne Sichtkontakt eingeschränkte persönliche Beratung und die Lieferzeit von mindestens einem Tag, ausgeglichen werden. Neben dem Preisvorteil ist es auch die Diskretion, die zum Beispiel bei Pilz-, Schlankheits- oder Haarwuchsmitteln die Attraktivität von Versandapotheken ausmacht.

Sicherheits-Logo

Die Apothekerkammer weist darauf hin, dass den österreichischen Apothekern Versandhandel derzeit noch nicht gestattet ist. Grund dafür ist das von der EU geplante "Sicherheits-Logo", das alle konzessionierten Apotheken auf ihrem Internetshop führen sollen, bis dato aber noch nicht veröffentlicht wurde. Sobald das Logo in Kraft tritt, gibt es eine einjährige Frist zur Umsetzung. Man könne deshalb laut Apothekerkammer noch gar nicht genau sagen, ab wann konkret der Versandhandel erlaubt sein wird.

Weiters spricht sich die Apothekerkammer nicht gegen Wettbewerb aus, sondern möchte höchstmögliche Sicherheitsstandards gewährleistet wissen. Die Qualitätskriterien für den Versandhandel müssten erst entwickelt werden, denn online werde "bereits alles gefälscht - auch Zertifikate und Websites", heißt es von der Kammer. Außerdem gebe es in Österreich derzeit kein Preismonopol auf Arzneimittel, sondern durch Aufschläge errechnete Apothekenverkaufspreise, die eine maximale Höhe definieren.

Die gegen den Versandhandel vorgebrachten Argumente wie Sicherheitsbedenken und die Gefahr eines unkontrollierten höheren Arzneimittelgebrauchs seien laut medikamentenpreise.at jedoch längst aus Nachbarländern wie Deutschland oder der Schweiz bekannt und widerlegt. Dort hätte sich der Versandhandel schon vor Jahren als beliebte Ergänzung zur traditionellen Apotheke etabliert und werde von heimischen Apothekern betrieben.

Chance und Bedrohung

Eine Umfrage bei 57 österreichischen Apotheken hat ergeben, dass jeder fünfte Apotheker den noch im ersten Halbjahr zu erwartenden Fall des Versandhandelsverbotes als Chance sieht, 54 Prozent  jedoch als Bedrohung. Die befragten Apotheker erwarten übrigens, dass etwa fünf Prozent der österreichischen Apotheker eine Versandapotheke betreiben werden.

Als Gründe für den Kauf bei einer Versandapotheke wurden insbesondere die günstigen Preise (59 Prozent), die Online-Bestellmöglichkeit rund um die Uhr (58 Prozent) sowie die Lieferung nach Hause (41 Prozent) genannt. Dabei lag der durchschnittliche Warenkorb bei 39 Prozent der Online-Besteller bei mindestens 40 Euro. (red, derStandard.at, 16.4.2014)

Share if you care.