Brand in Wiener Innenstadt war vermutlich gelegt

16. April 2014, 17:35
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Benzinkanister gefunden - Suche nach Mieter läuft - "Lauter Knall" in neunstöckigem Wohnhaus gegen 4.30 Uhr

Wien - Die ersten Anrufe gingen um 4.30 Uhr am Mittwochmorgen bei der Feuerwehr ein. Anrainer meldeten einen Brand in einem Wohnhaus am Hohen Markt, Ecke Marc-Aurel-Straße, in der Wiener Innenstadt, und berichteten von einem "lauten Knall".

Der Brand forderte mindestens ein Menschenleben. 17 Personen wurden verletzt, insgesamt 50 aus dem Wohnhaus evakuiert. Bei dem Todesopfer handelt es sich um eine 23-jährige Bewohnerin des Hauses. Die Polizei nimmt an, dass sie von einer umstürzenden Wand getötet wurde. "Durch die anfängliche Druckwelle sind mehrere Trennmauern umgefallen", bestätigte Feuerwehrsprecher Gerald Schimpf.

Miete schuldig geblieben

"Wir gehen von Brandstiftung aus", hieß es seitens der Polizei. Das Appartement, von dem das Feuer ausging, hätte am Mittwoch geräumt werden sollen. Die Eigentümer hatten ein Delogierungsverfahren gegen den Mieter eingeleitet. Der sei im Oktober 2013 eingezogen und habe seine erste Miete bezahlt. Seitdem sei er aber im Rückstand gewesen. Nach dem 44-jährigen, mutmaßlichen Mietnomaden wurde gefahndet. Bis Mittwochabend fehlte jede Spur. Ob er sich bei der Explosion im Haus befunden hat, ist laut Polizei unklar.

Sie schloss aber nicht aus, dass er ebenfalls dem Brand zum Opfer gefallen sein könnte: "Entweder finden wir ihn noch unter dem Schutt oder er ist geflüchtet", sagte Polizeisprecherin Adina Mircioane am Mittwochnachmittag. Bei den ersten Ermittlungen habe man einen leeren Benzinkanister aus Metall gefunden. Der Sprit dürfte großflächig verteilt und danach mit einem Streichholz gezündet worden sein, sagte Mircioane. Die dadurch entstandene Explosion wurde von Zeugen als "lauter Knall" vernommen.

70 Einsatzkräfte

Der Brand beschränkte sich auf den vierten von zehn Stockwerken und breitete sich nicht auf andere Stockwerke oder umliegende Gebäude aus: "Das haben wir verhindern können", sagte Feuerwehrsprecher Schimpf. Aufgrund der Druckwelle zersplitterten aber Fenster und auch das Gebäude gegenüber wurde beschädigt.

Die Geschwindigkeit, mit der sich die Flammen ausbreiteten, deutete auf Benzin als Brandbeschleuniger hin. Da sich in dem Haus in der Wiener Innenstadt keine Gasleitungen befinden, konnte eine Gasexplosion als Brandursache ausgeschlossen werden. 70 Einsatzkräfte waren an den Löscharbeiten beteiligt.

Die Ermittler konnten erst nach etwa zwei Stunden das Haus betreten. Dabei wurde die Leiche der jungen Frau gefunden, sagte Polizeisprecherin Mircioane.

Sieben Personen im Spital

30 Sanitäter und Notärzte der Wiener Berufsrettung waren vor Ort und versorgten die insgesamt 50 aus dem Wohnhaus evakuierten Bewohner. Bei 17 Menschen wurde eine leichte Rauchgasvergiftung festgestellt. Zehn von ihnen konnten sofort ambulant versorgt werden. "Es ging ihnen nach der Behandlung gut genug, dass man sie entlassen konnte", sagte der Sprecher der Berufsrettung, Ronald Packert.

Ein Mann (52), eine Frau (33) und fünf Kinder im Alter von zwei, drei, fünf, sechs und 15 Jahren wurden "sicherheitshalber für genauere Untersuchungen" ins Krankenhaus gebracht. Ein Bus der Wiener Linien diente den unverletzt gebliebenen Personen als warmer Unterschlupf. Sie wurden dort betreut. Die meisten Bewohner des Hauses konnten im Laufe des Tages in ihre Wohnungen zurückkehren.

Kurz vor sechs Uhr morgens meldete die Feuerwehr "Brand aus". Die Nachlöscharbeiten dauerten aber noch bis in den Vormittag. Brandgut musste ausgeräumt sowie Glassplitter von den Straßen entfernt werden. Die Autobuslinien 1A, 2A und 3A waren während des Feuerwehreinsatzes nicht unterwegs. Die Marc-Aurel-Straße wurde gesperrt. (Christa Minkin, DER STANDARD, 17.4.2014)

 

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    foto: apa/robert tober
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  • Ein Foto von derStandard.at-User Moritz Trecate vom Vormittag.
    foto: moritz trecate

    Ein Foto von derStandard.at-User Moritz Trecate vom Vormittag.

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