Investoren nehmen einen teuren Schluck

15. April 2014, 18:37
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Die liquiden Marktführer auf dem Spirituosenmarkt stärken ihre Marktmacht mit Übernahmen. Der britische Konzern Diageo zahlt 1,9 Milliarden Dollar für eine Indien-Beteiligung

London/Wien - Eine Übernahmewelle schwappt durch die Spirituosenbranche. In Italiens traditionsreicher Spirituosenindustrie übernimmt Davide Campari das sizilianische Unternehmen Fratelli Averna um knapp 104 Millionen Euro. Am Dienstag hat auch der britische Weltmarktführer Diageo - bekannt durch Marken wie Smirnoff, Johnnie Walker, Tanqueray oder Guinness - zugeschlagen. Diageo baut seine Beteiligung beim indischen Branchenprimus United Spirits aus. 1,9 Milliarden Dollar (1,37 Mrd. Euro) will Diageo für eine Aufstockung des Anteils auf 55 Prozent bezahlen. Auf der Suche nach Wachstum in den Schwellenländern hat es in den vergangenen Jahren eine Reihe von Übernahmen gegeben.

Diageo will mit der Übernahme die Konkurrenz von Suntory aus dem indischen Markt halten. Der japanische Getränkekonzern hat jüngst mit der Übernahme von Jim Beam um knapp 14 Milliarden Dollar seine Position auf dem Whiskeymarkt ausgebaut. Diageo macht aktuell 42 Prozent seines Umsatzes in Schwellenländern und hat bereits in Brasilien, der Türkei oder China Unternehmen übernommen. Auch die Bierbranche ist längst auf Wachstum in Schwellenländern angewiesen, Märkte wie Brasilien oder China sind für den Bier- und Spirituosenmarkt immer wichtiger.

Doch Umsatzwachstum ist nur ein Teil der Übernahmestory. Ein wohl noch wichtigerer ist die Aussicht nach einer Übernahme, die Preise anzuheben. So schätzen Analysten von Citigroup, dass Diageo in Indien langfristig "die Gewinnmargen deutlich steigern kann". Das könnte bei United Spirits in Indien gelingen. Das Unternehmen dominiert den großen indischen Spirituosenmarkt mit einem Marktanteil von knapp 45 Prozent. Indien ist der größte Markt für Whiskey weltweit. Bereits 2013 wollte Diageo eine Mehrheit an United Spirits übernehmen - scheiterte aber, weil ein Gericht die Anteile eines überschuldeten Geschäftspartners dessen Gläubigern zugestand.

Geld für weitere Zukäufe

Insgesamt rechnen Analysten mit weiteren Zukäufen. Bei Goldman Sachs schätzt man, dass 50 Milliarden Dollar für Übernahmen im europäischen Basiskonsumgüter-Sektor bereit stehen. Für Analysten von Société Générale ist klar, dass der Getränkesektor zu den aktivsten im Bereich Fusionen und Übernahmen (M&A) überhaupt zählen wird. Gerade die großen Player wie Diageo oder Anheuser Bush Inbev (marktführender Bierkonzern) hätten genug "finanzielle Flexibilität, um weitere Zukäufe zu tätigen", schätzt Analyst Nicolas Ceron. Sie können sich relativ günstig Geld auf dem Kapitalmarkt für die M&A-Kriegskasse holen.

Der Übernahmetrend könnte sich als teurer Cocktail für Investoren entpuppen. Um die Übernahme diesmal durchzubekommen, zahlt Diageo etwa einen kräftigen Aufschlag. Das Unternehmen bietet für die Aufstockung bei United Spirits das 38-Fache des Ebitda (Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen). Das ist selbst für die relativ teure Getränkeindustrie ein stolzer Preis. Der amerikanische Spirituosenkonzern Jim Beam wurde mit einem Preis vom 20-Fachen des Ebitda übernommen. Pernod Ricard zahlte kurz vor Ausbruch der Krise 2008 das 20,8-Fache für den Absolut-Hersteller Vin & Spirit.

Kaum eine Branche gilt als so sicher wie die Getränkebranche. Die Gewinne der größten Brauereien und Spirituosenproduzenten blieben auch in der Krise relativ stabil. Daher zahlen Investoren traditionell einen höheren Preis für die Aktien aus dieser Sparte. (Lukas Sustala, DER STANDARD, 16.4.2014)

  • Der britische Spirituosenkonzern Diageo setzt auf den steigenden Alkoholkonsum in Indien. Spirituosen- und Getränkehersteller setzen mit Übernahmen auf die größten Schwellenländer.
    foto: reuters/moir

    Der britische Spirituosenkonzern Diageo setzt auf den steigenden Alkoholkonsum in Indien. Spirituosen- und Getränkehersteller setzen mit Übernahmen auf die größten Schwellenländer.

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