Read my face

Einserkastl15. April 2014, 18:33
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Tipps und Bildungsangebote finden sich, man muss nur seine E-Mails studieren

Feiertage stehen vor der Tür, und das ist ja schon einmal erfreulich. Da können wir uns ein wenig zurücklehnen, entspannen - und schon einmal in aller Muße überlegen, wie wir unsere berufliche Karriere weiterentwickeln wollen. Auf dass wir uns dann wieder entspannt entspannen dürfen.

Tipps und Bildungsangebote finden sich, man muss nur seine E-Mails studieren. Ganz im Trend liegt etwa die Physiognomik, also "die Kunst, in Gesichtern zu lesen". Dass "das Gesicht Spiegel der Seele ist", haben wir ja schon lange befürchtet. Nun aber können wir sogar studieren (es kostet uns nur sieben Stunden, 899 Euro und, bitte, Handspiegel nicht vergessen), "was das Gesicht über einen Menschen verrät".

Mittels dieser mutigen Form der Alphabetisierung erwischen wir laut Seminaranbieter gleich zwei Fliegen auf einen Schlag. Wir werden uns "selbst neu kennenlernen" (endlich eine nette Bekanntschaft) sowie "Persönlichkeit, Charakter, Talente, Prinzipientreue, Führungsqualitäten", ja sogar "Moralverständnis" aus dem Antlitz unseres Visavis ablesen können. Oder eben das Nichtvorhandensein all dessen.

Das wäre sogar etwas für die Politik. Könnte den "Elchtest" entbehrlich machen, den sich Österreichs Landwirtschaftsminister für die Auswahl von Spitzenpolitikern wünscht.

Man stelle sich vor: Politiker, die in Gesichtern lesen können und sich selbst erkennen. Österreich, was willst du mehr? (Renate Graber, DER STANDARD, 16.4.2014)

  • Dass "das Gesicht Spiegel der Seele ist", haben wir ja schon lange befürchtet. Foto: corn
    foto: der standard/corn

    Dass "das Gesicht Spiegel der Seele ist", haben wir ja schon lange befürchtet. Foto: corn

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