Renzi: Neue Regierung, neue Topmanager

15. April 2014, 18:29
6 Postings

Regierungschef Matteo Renzi räumt mit Vetternwirtschaft und politischer Klüngelei in Italiens Staatskonzernen auf. Erstmals kommen Frauen zum Zug

In Italiens Staatskonzernen wird aufgekehrt, zumindest im Topmanagement. Regierungschef Matteo Renzi hat bei drei der halbstaatlichen und börsennotierten Konzerne Tabula rasa gemacht und Chefposten neu besetzt. Der Ministerpräsident brach dabei mit der Tradition, er verlängerte die ablaufenden Mandate von vier Konzernchefs nicht und setzte drei Geschäftsfrauen als neue Präsidentinnen ein.

Ganz im Sinne des staatlichen Sparkurses, hat Renzi die Präsidentengehälter gleich mehr als halbiert und sie bei 238.000 Euro jährlich begrenzt. Allerdings betrifft das limitierte Jahresgehalt nur die Präsidentinnen, und nicht die Konzernchefs, deren Gehalt weiterhin nach "marktwirtschaftlichen Kriterien" festgesetzt wird.

Revolution

Zweifellos kam Renzi mit dem jüngsten Postenschacher im Kampf gegen politische Klüngelei und Vetternwirtschaft einen Schritt voran. Mit der Neubesetzung durch "verdienstreiche Manager" geht eine Epoche zu Ende. Der bisherige Chef des Erdölmultis Eni, Paolo Scaroni, steht unter Korruptionsverdacht. Enel-Chef Fulvio Conti lässt den Konzern gar mit nahezu 40 Milliarden Euro Schulden zurück.

Post-Chef Massimo Sarmi wollte seine Karriere retten, indem er der Regierung einen Gefallen tat: Poste Italiane stieg beim maroden Flugkonzern Alitalia ein. Nicht verschont blieb auch der CEO des Rüstungskonzerns Finmeccanica, Alessandro Pansa. Er hat das Amt erst seit wenigen Monaten inne. Sein Vorgänger sitzt wegen Korruption hinter Schloss und Riegel. Drei der großen Staatskonzerne werden künftig von einer Frau als Präsidentin geleitet. Für Italiens mächtige, mit der Politik stark verwobene Staatsindustrie bedeutet der Managerwechsel eine Revolution.

Genialer Informatiker

Beim Erdölmulti Eni, mit 68 Milliarden Euro der am höchsten kapitalisierte Konzern an der Mailänder Börse, kommt künftig der bisherige Generaldirektor, der 59 jährige Physiker Claudio Descalzi zum Zug. Er wird von Emma Marcegaglia, der eisernen Lady der italienischen Wirtschaft, als Präsidentin flankiert. Von ihr wird ein Kurswechsel bei Eni erwartet. Auch bei dem mit knapp 40 Milliarden Euro hochverschuldeten Stromversorger Enel sollen Änderungen erfolgen. Primäre Aufgabe des neuen Chefs, Francesco Starace, wird wohl der Abbau des durch die Übernahme der spanischen Endesa aufgebauten Schuldenbergs sein. Starace stand bisher der Enel-Tochter Enel Green Power als Konzernchef vor. Bei Enel wird die bisherige Olivetti-Chefin Patrizia Grieco als Präsidentin den Ton angeben.

Last, but not least wird auch Signora Luisa Tondini, bis jetzt selbstständige Bauunternehmerin und im Verwaltungsrat des Staatsfernsehens RAI, als Präsidentin der zur Privatisierung stehenden Poste Italiane vorstehen. An die Spitze des Postkonzerns gelangte der als genialer Informatiker und Chef des einstigen Mobilfunkkonzerns Omnitel bekannt gewordene Francesco Caio. Er will den Fokus auf mehr Digitalisierung legen und weniger auf Finanzgeschäfte.

Die Besetzung des halbstaatlichen Rüstungs-und Luftfahrtkonzerns Finmeccanica mit dem ehemaligen Chef der Staatsbahnen (FS), Mauro Moretti, sorgte für Furore. Mit kräftigen Kursverlusten haben die Finmeccanica-Kurse auf den neuen Konzernchef reagiert. Zwar gelang es Moretti, seit drei Jahren einen Gewinn mit den einst konkursreifen Staatsbahnen zu erwirtschaften. Doch der Gewinn ging auf Kosten des Pendlerverkehrs, in den seit Jahrzehnten nichts investiert wird. Nun hat Moretti Investitionen von vier Milliarden Euro versprochen, die durch Emission von Anleihen finanziert werden sollen. Möglich, dass er bei Finmeccanica Ähnliches plant. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, 16.4.2014)

Kommentar

Falsches Signal

  • Neben Selfies für den Wahlkampf zum Europaparlament wechselte Italiens Regierungschef Matteo Renzi so nebenbei ein paar Chefetagen in staatsnahen Konzernen aus.
    foto: ap/alpozzi

    Neben Selfies für den Wahlkampf zum Europaparlament wechselte Italiens Regierungschef Matteo Renzi so nebenbei ein paar Chefetagen in staatsnahen Konzernen aus.

  • Die "eiserne Lady" Emma Marcegaglia als Eni-Präsidentin.
    foto: ap/alpozzi

    Die "eiserne Lady" Emma Marcegaglia als Eni-Präsidentin.

Share if you care.