KWK-Anlagen werden zu Kraft-Schulden-Kopplung

15. April 2014, 18:21
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Kraftwerke, die neben der Stromerzeugung auch noch Wärme auskoppeln, wurden lange als Zukunftslösung gesehen. Die Rechnung geht nicht mehr auf

Wien - Sie gehört zu den energieeffizientesten Technologien, die es derzeit gibt, und spürt starken Gegenwind: die Kraft-Wärme-Kopplung - kurz KWK. Die Wien Energie, mit rund einer Million Strom- und gut 600.000 Gaskunden größter Energieversorger Österreichs, musste ihren gesamten thermischen Kraftwerkspark in Simmering, Donaustadt und Leopoldau aufgrund der widrigen Rahmenbedingungen um 345 Millionen Euro auf null abwerten.

Das hat entsprechend rote Spuren in der Bilanz 2013 hinterlassen. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) ist bei einem Gesamtumsatz von 1,94 Milliarden Euro mit 268 Millionen Euro negativ. Direkte Vergleichszahlen zu 2012 gibt es wegen der Umstellung auf Kalenderjahr nicht. Im Wirtschaftsjahr 2011/12 (per Ende September) lag der Umsatz bei 2,05 Milliarden Euro, das EGT bei minus 258 Millionen Euro. In den Jahren davor schrieb das Unternehmen noch Gewinne (rund 80 Mio. Euro pro Jahr).

Da heuer und in den nächsten Jahren marktseitig keine Besserung in Sicht ist, setzt die Geschäftsführung um Susanna Zapreva, Robert Grüneis und Thomas Irschik einen Teil ihrer Hoffnungen in das anstehende Energieeffizienzgesetz. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) will den Entwurf dazu nach Ostern den Energiesprechern der Oppositionsparteien zuleiten. Auf ausdrücklichen Wunsch der SPÖ soll darin auch die Förderung von KWK-Anlagen Niederschlag finden.

Betriebsstunden reduziert

Es sind insbesondere die Verwerfungen auf den europäischen Strom- und Gasmärkten, die den Betreibern von Kraft-Wärme-Kopplungen Probleme bereiten. Weil die Strompreise niedrig und die Preise für auf Langfristverträgen basierendes Pipelinegas vergleichsweise hoch sind, wird bei jedem Anwerfen der Gasturbinen im wahrsten Sinn des Wortes Geld verbrannt. Alle Betreiber von KWK-Anlagen, die mit Gas und nicht mit Biomasse befeuert werden, haben die Betriebsstunden so weit wie möglich reduziert.

Die EVN, die im niederösterreichischen Gedersdorf mit dem Kraftwerk Theiß (800 Megawatt Leistung) ebenfalls über eine große KWK-Anlage verfügt, hat diese schon vor Jahren auf null abgeschrieben. "Die nächsten zwei Jahre ist das Kraftwerk gesichert", sagte EVN-Sprecher Stefan Zach unter Hinweis auf einen Vertrag mit der Deutschen Bundesnetzagentur. Wie schon in den zurückliegenden Wintern stellt EVN mit Theiß und dem Kraftwerk Korneuburg auch im kommenden und darauffolgenden Winter im Bedarfsfall Kaltreserve im Umfang von 775 MW für den deutschen Netzbetreiber Tennet bereit.

Förderungen

Das Verbund-Kraftwerk Mellach bei Graz, das wegen der Preisturbulenzen schon kurz nach der Eröffnung 2012 in die Bredouille geraten ist, wurde ebenfalls in mehreren Schritten wertberichtigt. Die 800-MW-Anlage ist nur mehr rund 1000 Stunden im Jahr in Betrieb und steht sonst still. Die Fernwärme für Graz wird dann vorwiegend mit Kohle produziert.

Im Kraftwerk Simmering werde derzeit nur "ein Drittel dessen produziert, was wir beim Bau angenommen haben", sagte Susanna Zapreva. Die Geschäftsführerin von Wien Energie weist auf die Situation in Deutschland hin, wo KWK-Anlagen sehr wohl gefördert werden. Ein mit Simmering vergleichbares Kraftwerk in München bekomme einen Zuschuss von 21 Euro je Megawattstunde. In Österreich gab es bis 2010 eine KWK-Förderung. Diese war aber um einiges niedriger. (Günther Strobl, DER STANDARD, 16.4.2014)

  • Gasturbine im Kraftwerk Simmering: Aus wirtschaftlichen Gründen steht die Turbine derzeit nicht nur bei Wartungsarbeiten still.
    foto: ehm

    Gasturbine im Kraftwerk Simmering: Aus wirtschaftlichen Gründen steht die Turbine derzeit nicht nur bei Wartungsarbeiten still.

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