Ab in die Bronx

15. April 2014, 18:01
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Bei solchen Gedankengängen wünscht man sich, jeder FPÖ-Mandatar würde diesen "Witz" allein in der Bronx erzählen

Was haben David Alaba und Herbert Marcuse gemeinsam? Na, irgendwer? Genau: Beiden wurde von H.-C. Strache, der bekanntlich kein Freund der Sprachpolizei ist, bei "Pro und Contra" auf Puls 4 unrecht getan. Alaba diente dem im Fall Andreas Mölzer in Erklärungsnot geratenen Politiker nun als Beispiel eines Schwarzen, der mit dem Begriff kein Problem habe. Der Fußballer habe das Wort selbst auf einer Pressekonferenz benutzt. Noch dazu als witzig gemeinte Replik.

Bei solchen Gedankengängen wünscht man sich, jeder FPÖ-Mandatar würde diesen "Witz" allein in der Bronx herumerzählen. Sie würden einsehen, dass es einen spürbaren Unterschied macht, wer gerade spricht - und zu wem. Doch, immerhin, das Bewusstsein, dass Sprache soziale Signale sendet, ist am Wachsen. "Die negative Geschmacklichkeit" manchen Wortes habe auch die feinen Sinne des FPÖ-Chefs schon erreicht.

Allerdings sei nicht alles negativ bestimmbar: die "Negerschnitte" genauso wenig wie der "Mohr im Hemd", den Antitugendterrorspezialist Thilo Sarrazin als "belustigend" empfindet. Marcuse, so Strache dann spontan intellektuell, habe bereits aufgezeigt, dass "es seit der Frankfurter Schule eine Entwicklung gibt, bestimmte Begriffe zu diskreditieren". Und "eine politische Linke versucht, diese Begriffe aus dem Sprachgebrauch zu verdrängen."

Dumm nur, dass Marcuse, ein (neo-)marxistischer Philosoph, aus der SPD nicht ausgetreten ist, weil sie ihm zu links war. Aber wer sich gegen Tugendterror und politische Korrektheit positionieren will, der nutzt Zitate, wie er möchte. "Man kann alles ad absurdum führen", sagt Strache - und da hat er ausnahmsweise recht. (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 16.4.2014)

  • "Pro und Contra" mit Strache.
    foto: screenshot/puls4.at

    "Pro und Contra" mit Strache.

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