Löwenzahn: Für die ganz Gelbgierigen

Kolumne24. April 2014, 18:10
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Alle kennen diese Wiesenblume, viele schimpfen sie Unkraut - Dabei gibt es kaum ein perfekteres Gartengeschöpf, meint Gregor Fauma

Ständig wird gezüchtet, an den Pflanzen herumgedoktert und die Bestäubung durch Insekten, Wind oder Warmblüter mit einem feinen Haarpinsel vorweggenommen. Das Ziel - die ideale Pflanze. Ideal für wen, ist die Frage. Ideal für den Handel, antworten die Züchter.

Die Gartler und Gärtnerinnen sehnen sich Saison für Saison nach aufregenden Züchtungen. Neue Pflanzen braucht das Beet, und die mögen doch bitte in möglichst blumigen Worten in schicken Katalogen beschrieben und abgelichtet sein. Ewig schon wird an der blauen Rose und am dornenfreien Kaktus getüftelt. Doch jetzt scheint ein Durchbruch gelungen.

Das Ergebnis ist eine gelbblühende Pflanze. Nicht irgendein Gelb, sondern ein fettes, nahe am Dotter satt leuchtendes Gelb. Ein Gelb, das im Verlauf des Auf- und Verblühens nicht nachlässt, keine braunen Ränder kriegt und stets wie frisch gewaschen aus der Waschmaschine daherkommt. Die Bienen und Hummeln sind komplett verrückt nach diesen Blüten, blühen sie doch bereits zeitig im Frühjahr - und das über viele Wochen hinweg.

Mehrjährig ohne Pflege

Gartler und Gärtnerinnen werden diese Pflanze lieben, da deren Laub niedrig und bodennahe bleibt, der Blütenkopf sich jedoch deutlich darüber erhebt und gut zwanzig bis sechzig Zentimeter hoch steht. Einen weiteren Vorteil hat diese Blume: Sie streut sich selbst aus, kommt jedes Jahr in vermehrter Zahl wieder und bedarf keiner Pflege. Diese Pflanze braucht man nicht zu gießen und nicht zu düngen. Das Substrat, aus dem sie wächst, scheint auch keine Rolle zu spielen. Fantastisch! Kein Messen von pH-Werten mehr, kein Ausbringen von Kompost. Super!

Prachtvoll verblüht

Aber das reicht noch lange nicht - dieser Wunderpflanz hat weitere Vorteile zusätzlich zu seiner optischen Pracht und seinem bedarfslosen Wesen: Selbst im Verblühen geht von dieser Pflanze eine ganz besondere Erhabenheit aus. Viele ziehen sogar deren verblühtes Dasein vor, holen sich nur deswegen diese Wunderblume in den Garten. Doch das ist immer noch nicht alles: Die jungen Blätter dieser Pflanze schmecken hervorragend.

Mit kleinen, spitzen Scheren bewaffnet sieht man die Gartler und Gärtnerinnen zeitig am Morgen die jüngsten Blätter aus der Rosette schneiden, zart grün und wunderbar nach der noch jungen Jahreszeit Frühling schmeckend. Kann nicht sein? Die Braut wäre zu schön? Gibt's nicht? Das würde kein Zuchtlabor der Welt schaffen?

Doch, das Labor heißt Natur und die Pflanze Löwenzahn. Kein Mensch der Welt kann erklären, warum dieses blühende, wohlschmeckende Wunder als Unkraut desavouiert und mittels eigens geschaffener Gerätschaften aus den Gärten eliminiert werden soll. Lang lebe der Löwenzahn! (Gregor Fauma, Rondo, DER STANDARD, 18.4.2014)

Tipps zum Löwenzahn:
Die gelben Blüten kann man in Sirup oder Gelee einlegen und als Aufstrich genießen. Als zeitige Bienentränke im Garten unverzichtbar, kommt der Löwenzahn in Form von sehr feinem Honig zum Gärtner zurück. Unbedingt stehen lassen!

  • Die Bienen und Hummeln sind komplett verrückt nach Löwenzahn-Blüten.
    foto: apa/karl-josef hildenbrand

    Die Bienen und Hummeln sind komplett verrückt nach Löwenzahn-Blüten.

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