Bedienungsanleitung für den Klimawandel

21. April 2014, 17:37
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Handbuch des Umweltbundesamts bietet Werkzeug für lokale Anpassungsstrategien

Wien - In Zeiten neuer Berichte des Weltklimarats überschlagen sich beängstigende Zahlen über den Zustand unseres Planeten - meist auf globaler Ebene. Die konkreten Auswirkungen sind aber in lokalen Zusammenhängen oft am deutlichsten spürbar. Es ist kein Geheimnis, dass etwa niedrig gelegene Skigebiete besonders wenig Grund zur Freude haben.

Grünbach bei Freistadt im Mühlviertel ist ein bekanntes Loipengebiet. "Im Schnitt dauert die Langlaufsaison vier Monate", berichtet Norbert Miesenberger, Manager der Modellregion "Energiebezirk Freistadt". "Letzte Saison dauerte die Saison gerade zwei Wochen." Hier wie auch in den Skigebieten am Hochficht und am Sternstein seien 20 Prozent Umsatzrückgänge verzeichnet worden - und nur deswegen nicht mehr, weil es viele sonnenhungrige Linzer auch ohne Schnee ins Hügelland zog. Auch wenn viele Touristiker in der Region kontern würden, dass es immer schon derartig warme Winter gegeben habe, ist für Miesenberger klar: "Mittelfristig gibt es keine Zukunft."

Damit sich Regionen und Städte möglichst gut auf die unausweichlichen Auswirkungen des Klimawandels vorbereiten können, hat das Umweltbundesamt in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur ein Handbuch ausgearbeitet. Am Montag wurde das Projekt namens Famous präsentiert. Finanziert wurde es durch den Klima- und Energiefonds von Lebens- und Verkehrsministerium. Die mehr als 200 Seiten starke Bedienungsanleitung für den Klimawandel steht frei zum Download bereit und bietet umfassende Informationen, Checklists und Methoden, wie die jeweiligen Risiken erkannt und Lösungen gefunden werden können.

"Das Handbuch gibt Werkzeuge, wir man vor Ort agieren kann bzw. muss", sagt Karl Kienzl, Geschäftsführer des Umweltbundesamtes. Es könne etwa abgeklärt werden, was Starkregen für die Wasserwirtschaft bedeutet, wo die Bahninfrastruktur durch Vermurungen gefährdet ist, welche Folgen das Auftauen von Permafrost haben kann oder wie man in Städten Frischluftschneisen schaffen kann. Im Land Oberösterreich und in der Region Waldviertel wurde das Konzept bereits einem Praxistest unterzogen. Jetzt liege es an den lokalen Verantwortlichen, den Leitfaden aufzugreifen.

Im Bezirk Freistadt ist man schon weiter: Über Bürgerbeteiligung wurde ein Photovoltaik-Netz finanziert, und eine "Klimafeuerwehr" organisiert Elektroautos und dergleichen, erzählt Miesenberger. "Sie übernimmt eine gesellschaftliche Aufgabe, so wie der Musikverein." (kri, DER STANDARD, 16.4.2014)

  • Irgendwann können auch Schneekanonen nicht mehr über die Folgen des Klimawandels hinwegtäuschen. Rechtzeitig vorbeugen ist besser, meinen Experten.
    foto: apa/hildenbrand

    Irgendwann können auch Schneekanonen nicht mehr über die Folgen des Klimawandels hinwegtäuschen. Rechtzeitig vorbeugen ist besser, meinen Experten.

  • Handbuch

    Methoden und Werkzeuge zur Anpassung an den Klimawandel

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