Der Griff nach dem Sternenstaub

20. April 2014, 18:06
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Österreichs Raumfahrtprogramm ASAP bekommt 2014 eine Million Euro mehr

Wien - 2014 ist das Jahr von Rosetta. Die europäische Raumsonde, kürzlich aus der mehrjährigen Schlafphase erweckt, soll im November auf den Kometen 67P/ Tschurjumow-Gerassimenko treffen. Dort wird Rosetta das Landemodul Philae absetzen sowie Analysen aus der Entfernung durchführen. Auch das Instrument Midas, das federführend vom Grazer Institut für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) entwickelt wurde, ist mittlerweile erwacht. Midas soll mithilfe eines Rasterkraftmikroskops die Staubpartikel, die der Komet nahe der Sonne ins All entlässt, auf wenige Nanometer genau untersuchen.

In Österreich waren neben dem IWF auch Joanneum Research, das Austrian Institute of Technology AIT, Raumfahrtzulieferer Ruag Space und die TU Wien an der Entwicklung beteiligt. Grund genug, um Rosettas Manöver zu einem zentralen Punkt der "Österreichischen Weltraumaktivitäten 2014" zu machen. Diese hat das nunmehr auch als "Weltraumministerium" fungierende Infrastrukturministerium vergangene Woche präsentiert. Seit Jänner ist das Ministerium offiziell für alle Weltraumbelange zuständig.

Die frohe Botschaft der Veranstaltung: Trotz der Sparzwänge sollen die Mittel für das nationale Weltraumprogramm ASAP (Austrian Space Applications) um 14 Prozent von sieben auf etwa acht Millionen Euro steigen. Die ASAP ist für Harald Posch, Leiter der Agentur für Luft- und Raumfahrt in der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), eine der Säulen der österreichischen Aktivitäten und ein "Hebelprogramm", um sich am internationalen Markt zu platzieren.

Ideen für Satelliten gesucht

Posch selbst übernimmt heuer für drei Jahre den Vorsitz des Rates der europäischen Weltraumorganisation Esa. Erst vor zwei Wochen schickte die Esa den Umweltbeobachtungssatelliten Sentinel 1A in den Orbit. Österreichische Entwicklungen sind dabei mit Thermalisolationen und einem GPS-Empfänger von Ruag vertreten. Im Dezember sollen bei einem Esa-Ministerrat neue Weichen gestellt werden, etwa was die Zukunft der europäischen Trägerrakete Ariane betrifft.

Für die FFG selbst werde es nicht mehr Mittel geben. Die Verwaltung im Ressort soll dagegen schlanker werden. Man nütze Synergien und "rückt zusammen", hieß es. Die "kontinuierliche Projektförderung" durch FFG und ASAP sei auch für das Grazer IWF unverzichtbar, um weiterhin Instrumente zu bauen, erklärte IWF-Direktor Wolfgang Baumjohann.

Das Interesse junger Forscher will man mit einem Ideenwettbewerb für neue Nanosatelliten fördern, bei dem Studierende und Schüler eingebunden werden. Fünf Projekte sollen in einer Vorphase finanziert, ein Konzept soll umgesetzt werden. Bereits 2013 wurden die beiden Nanosatelliten Tugsat-1 und Unibrite, die Forscher der Uni Wien und der TU Graz mit internationalen Partnern entwickelten, mit einer indischen Rakete ins All geschossen. Ziel der Mission mit Kosten von etwa 1,5 Millionen Euro ist die Untersuchung der Lichtintensität von Sternen und Meteoriten, was Rückschlüsse auf ihre Entstehung zulassen soll. (pum, DER STANDARD, 16.4.2014)

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