Blökende Schafe, schwacher Mann

15. April 2014, 17:27
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Die Staatskapelle Dresden bei den Osterfestspielen

Salzburg - Wenn im James Bond-Finale in der Raketenbasis der Alarm ausgelöst wird, klingt es ähnlich: Geheimnisvolles Flirren im Piano steigert die Spannung. Dann trötet die Sirene los. In Richard Strauss' Don Quixote geht kein Agent zum Angriff über. Vielmehr scharrt die Hammelherde in den Weiten von la Mancha mit den Hufen - um sich mit lautem Blöken auf den Ritter von der traurigen Gestalt zu stürzen. Immer wieder staunt man angesichts dieser wenigen markant "zeitgenössischen" Takte über das Entstehungsjahr: 1897 hat Strauss für Augenblicke die spätere Klangsprache von Mikrotönern oder Spektralisten vorweggenommen.

Im ersten Orchesterkonzert der Sächsischen Staatskapelle Dresden bei den Osterfestspielen stand im aktuellen Strauss-Jahr neben Don Quixote op. 35 auch die deutlich konventionellere Tondichtung Don Juan op. 20 von 1888 auf dem Programm. Aber das Verblassen aller glanzvollen Farben und das Schwinden überschäumender Energie: Das zeugt abseits der Konvention auch schon bei dem 24-jährigen Komponisten von enormem Schaffenswillen. Diese Passagen ließen aufhorchen. Sie interpunktierten Interpretationen, die in Summe von klanglicher Opulenz geprägt waren.

Gautier Capucon, Solocellist in Don Quixote, hat seinerseits vor allem große vibrato-geschwängerte Kantilenen beigetragen, ohne spürbar auf die fein artikulierten Beiträge der Kollegen im Orchester einzugehen. Wie klar und zugleich ätherisch schwebten die Oboen-Erinnerungen an das Edelfräulein Dulcinea durch den Raum. Wie elegant und launig geführt der pizzikatountermalte Dialog der Fagotte! Die kammermusikalischen Qualitäten der Orchestermitglieder kamen oft zur Wirkung. Solocellist und Dirigent schienen derweil in einem Hochglanzprospekt zu blättern.

Die kleingliedrig in sich selbst kreisende Verwandlung 2. Musik für Orchester von Wolfgang Rihm erwies sich als dramaturgisch klug gesetzter Programmpunkt, als eine sehr romantisch daherkommende Gegenwartsmusik, die immer wieder zurückblickt auf Mahler und Co, sich das direkte Zitat aber klug versagt. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD, 16.4.2014)

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