Bin schon wieder weg

15. April 2014, 17:44
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Die Reihe "Sculpture Me" zeigt Performances zwischen Ereignis und Skulptur im Wiener Kunstraum Niederösterreich

Wien - Unter dem Titel Das wundervolle Gefühl der Verkürzung präsentiert der Kunstraum Niederösterreich in der Wiener Herrengasse seine aktuelle Performancereihe. In deren Rahmen manifestiert sich der dem Live-Ereignis verlässlich fehlende Ewigkeitscharakter am Donnerstag, 16. 4., zum Beispiel mit dem von Peter Kozek kuratierten Abend Sculpture Me (19.00). Zu erleben wird eine Ausdehnungsübung am Ephemeren sein, die in Form einer anschließenden Ausstellung bis zum 26. April trotzdem ein kleines Stück Weg gemeinsam mit dem Lauf der Zeit gehen wird: Von undurchdringlichem Selbst zu undurchdringlichem Unselbst durch Weder (Samuel Beckett).

Hin und weg

Bei Sculpture Me geht es um nichts weniger als die zeitlose Frage, wie Ereignisse, die Raum, Zeit und Körper involvieren, ins wenn auch zeitlich begrenzte, dauerhaft Skulpturale zu übersetzen sind. In den angekündigten Performances werden immer Bezüge hergestellt, die jeder Handlung oder Behauptung darin vorausgegangen sind oder nachfolgen.

Diese Referenzen sind ebenso bedeutend wie das zur Schau gestellte Ereignis, verweigern sich aber oft dem flüchtigen Hin- und Anschauen. Damit entzieht der Underdog Performance der bildenden Kunst diverse Sicherheiten: Dauer, Wiederholbarkeit, Objekt- und Produkthaftigkeit.

Mit dieser Ambivalenz verschwindender, aber sehr realer Eindrücke setzt sich an dem Abend eine durchaus heterogene Gruppe von Künstlerinnen und Künstlern auseinander. Jakob Lena Knebl trägt das Mal(en) auf der Haut, Johannes Mandorfer baut drei Violinentöne zu einer Klangskulptur aus - und Eugen Wist kommuniziert mit seinem Antagonisten an der Wand. An eine solche lässt Evelyn Loschy eine Schaukel geraten.

Driton Selmany versucht das ebenfalls nicht unwesentliche Problem zu lösen, wie man zwei Melonen gleichzeitig, aber zeitlos in einer Hand halten kann. Anna Witt fordert die Kraft heraus, die es braucht, einen Knoten in einen Gewehrlauf zu machen. Aus Akira Kurosawas Filmklassiker Akahige entführt Alexander Martinz eine Teetasse. Praktisch: Auf Annette Wehrmanns Museumsquartierbank können Zuschauer und Selbstdarsteller Platz nehmen. Wenn sie Zeit und Muße haben. Das wird ganz schön paradox werden. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 16.4.2014)

  • Jakob Lena Knebl malt sich Male auf die Haut: "Sculpture Me" im Kunstraum Niederösterreich.
    foto: georg petermichl

    Jakob Lena Knebl malt sich Male auf die Haut: "Sculpture Me" im Kunstraum Niederösterreich.

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