TV-Serienkosmos der "Girls": Zügig Verletzungen sammeln

Ansichtssache15. April 2014, 16:31
60 Postings

Wien - Sie schlafen in Bettwäsche mit bunten Regenbogen, kuscheln in Stockbetten, tragen Trägershirts mit lustigen Motiven, tanzen Nächte durch, leiden nach zu viel Alkohol- und Drogenkonsum, kratzen am eingetrockneten Geschirr nach einer durchfeierten Nacht. Sie, das sind die vier WG-lerinnen aus der HBO-Serie "Girls", Teenager wie aus dem Bilderbuch geschrieben - nur dass sie längst keine 15, auch nicht mehr 18, sondern ausgewachsene 25 plus sind.

foto: tnt glitz

Über das Auseinanderdriften von Alter und Gewohnheiten in "Girls" hat sich schon Comedy-Ikone Tina Fey in "Saturday Night Life" lustig gemacht. Wie Highschool-Girls zappeln die Mädels durch ihren Serienkosmos, bis ein "neues Mädchen aus Albanien", eine in braune Decken und Tüchern gehüllte Fey die quirlige Gemeinde herunterholt. "Was verdammt nochmal stimmt nicht mit dir?", keift sie die wieder einmal an Liebesschmerz leidende Hannah an.

1
foto: tnt glitz

Fast könnte man vergessen, dass die „Girls" langsam, aber sicher ins Alter der "Sex and the City"-Ladys kommen. Gleich sind ihnen die Forderungen an ein selbstbestimmtes Leben. Und weil Peter Pan es schließlich schaffte, niemals erwachsen zu werden, kämpfen die vier New Yorkerinnen tapfer dagegen an. Am Mittwoch, 20.15 Uhr im Abokanal Glitz im Angebot von Sky startet die dritte Staffel.

2
foto: tnt glitz

Es bleibt beim Alten: Lena Dunham, die multitalentierte Autorin, verliert als Hannah den Babyspeck ebensowenig wie Shoshanna (Zosia Mamet) die naturgewollte Naivität, Jessa (Jemima Kirke) ihre gottgegebene Coolness und Marnie (Allison Williams) ihre brüchige Eloquenz. Stört es, dass sich erwachsene Frauen wie Pubertierende aufführen?

3
foto: tnt glitz

Nein. Ihre Verletzungen haben sie in den letzten beiden Staffeln zügig gesammelt und befinden sich am direkten Weg zur durchschnittlich paranoiden New Yorkerin: Sie sitzen in Therapien, sind auf Rehab, erleben schmerzlichen Trennungen, werden vom Arbeitgeber unter Druck gesetzt und machen peinliche Begegnungen. Erwachsenwerden ist nicht schön. Aber zusammen Eis essen hilft. Das wussten auch schon die "Golden Girls". (Doris Priesching, derStandard.at, 15.4.2014)

Nachlese

4
Share if you care.