Fall Pereira: Kulturminister warnt vor voreiligen Schlüssen

15. April 2014, 14:11
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Salzburgs Festspiel-Präsidentin Rabl-Stadler verteidigt Pereiras Vorgangsweise: "Entspricht Theatergebrauch der ganzen Welt"

Rom/Salzburg - Italiens Kulturminister Dario Franceschini hat am Dienstag vor voreiligen Schlüssen im Fall des Intendanten der Salzburger Festspiele und künftigen Scala-Chefs Alexander Pereira gewarnt, der wegen des Verkaufs von sechs großen Opern aus Salzburg an das Mailänder Opernhaus ins Visier des italienischen Kulturministeriums geraten ist.

"Wir haben die Scala um einen Bericht gebeten, ich habe noch keine Elemente für ein Urteil. Ich bin ein Rechtsanwalt. Ich bilde mir keine Meinung, bevor ich nicht die Dokumente überprüft habe", sagte Franceschini nach Angaben italienischer Medien.

Ministerium bat Scala um Informationen

Der für die Aufsicht der italienischen Opernhäuser zuständige Kabinettchef im Kulturministerium, Salvatore Nastasi, erklärte, es sei Pflicht des Ministeriums festzustellen, ob es in Zusammenhang mit dem Opernkauf aus Salzburg zu Interessenskonflikten gekommen sei. "Wir haben keine Stellung bezogen, sondern die Scala lediglich um Informationen gebeten. Das Opernhaus wird sich auch in Salzburg bemühen, uns Dokumente zu liefern. Ich denke, dass wir innerhalb von zwei Wochen eine Antwort des Mailänder Opernhauses haben werden", sagte Nastasi im Gespräch mit der APA.

Die Scala verfüge über eine ausgedehnte Autonomie, da sie jedoch beträchtliche Staatsfinanzierungen erhalte, habe das Kulturministerium das Recht, die Lage im Opernhaus genau zu überprüfen. Es sei nicht auszuschließen, dass der noch amtierende Intendant Stephane Lissner Pereira ein breites Mandat erteilt habe, sich für den Erwerb neuer Opern einzuschalten. "Wir wollen klären, ob der Aufsichtsrat darüber informiert worden ist", meinte Nastasi.

Pereira unter Druck

Inzwischen gerät Pereira in Mailand zunehmend unter Druck. Die für Kulturfragen zuständige Rätin des lombardischen Regionalparlaments, Cristina Cappellini, forderte Pereira auf, auf sein Mandat zu verzichten. Die Scala brauche ein Management, das jenseits jeglichen Verdachts der Interessenskollision stehe, so Cappellini nach Angaben der Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera".

Das Ministerium hatte den Scala-Aufsichtsrat gebeten, einen Bericht über den Deal zu verfassen, teilte der Mailänder Bürgermeister Giuliano Pisapia am Montag mit. "Eine sehr heikle Diskussion ist im Gange. Viele Aspekte müssen vertieft werden. Das Kulturministerium hat einen Bericht über den Fall angefordert", berichtete Pisapia, Präsident der Stiftung, die die Scala kontrolliert.

Rabl-Stadler: Weltweiter Theatergebrauch

Die Salzburger Festspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler verteidigte indes Pereiras Vorgehen: Der designierte Scala-Chef habe keine Verträge abgeschlossen sondern rechtsverbindliche Absichtserklärungen, sagte Rabl-Stadler am Dienstag im Ö1-Mittagsjournal. "Das entspricht genau dem Theatergebrauch in der ganzen Welt. Wie soll den sonst ein Intendant seine Saison planen können in einer Branche, in der man Jahre voraus plant?" Sie sei daher sehr zuversichtlich, dass der Verkauf der Opern zustande kommen und jeder rechtlichen Prüfung standhalten werde.

Der Deal mit Mailand sei eine klassische Win/Win-Situation für Festspiele und Scala. Dass sich in Salzburg der Erlös aus den Opernverkäufen bereits in der Bilanz des Sommers 2013 niedergeschlagen hat, ist für die Präsidentin kein Problem, auch wenn das Geld noch nicht geflossen ist: Das sei mit den Wirtschaftsprüfern abgesprochen. Allerdings räumte sie ein: "Die Liquidität wird dadurch nicht größer werden." (APA, 15.4.2014)

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