"Tugendterror": Mölzers sanfte Abrechnung mit der Parteispitze

15. April 2014, 11:29
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Erste "Zur Zeit"-Ausgabe nach Mölzer-Ausbootung rechnet nur sanft mit FP-Spitze ab

Wien - Nicht gerade begeistert reagiert die von Andreas Mölzer herausgegebene Postille "Zur Zeit" auf dessen Ausbootung als freiheitlicher Spitzenkandidat für die Europawahl. In der aktuellen Ausgabe hat man "Tugend-Terror - Wer ist der nächste?" zum "Thema der Woche" gemacht.

In einem Interview antwortet Mölzer auf die Frage, ob die FPÖ den Druck von Boulevard und SOS-Mitmensch nicht aushalte, ein wenig pikiert: "Das müssen Sie die Parteiführung fragen." Deutlicher wird Mölzer in der Kritik an befreundeten europäischen Rechtsparteien, die auch auf seinen Rückzug gedrängt haben sollen.

"Politisch unerfahrene Kräfte gehen vor dem medialen Druck in ihren Ländern in die Knie und distanzieren sich dann allzu schnell von möglichen Partnerparteien in anderen Ländern, wenn diese unter Beschuss geraten. Damit macht man sich zum willfährigen Helfershelfer des politischen Establishments", ärgert sich Mölzer, der noch offen lässt, was er neben seiner publizistischen Tätigkeit künftig zu tun gedenkt.

Pseudonym interviewt Mölzer

Das Interview mit Mölzer führt übrigens Franz Xaver Seltsam, ein Pseudonym, das Mölzer in Zusammenhang mit einem rassistischen Artikel über Fußballer David Alaba zugeschrieben wurde. Die Redaktion betont hingegen, dass es sich um einen von mehreren Redakteuren verwendeten Decknamen handelt und Mölzer in der Causa Alaba nicht persönlich in die Tasten gehaut hat.

Offene Kritik an der Parteiführung ist letztlich nur im Editorial von Mit-Herausgeber Walter Seledec zu lesen. Der ehemals in führenden ORF-Funktionen tätige Journalist konstatiert, dass durch eine Kampagne "berufsmäßiger Gutmenschen" zwar Druck auf die FPÖ-Spitze entstanden sei, jedoch: "Hier wären Einigkeit und Geschlossenheit von Nöten - in solidarischer Treue mit dem Angegriffenen."

Mölzer sei über Jahrzehnte ein publizistisches und intellektuelles Aushängeschild des Dritten Lagers gewesen: "Wegen einer nicht optimal formulierten Äußerung diesem Mann seine Ehre abzuschneiden, ihn sozusagen zu verstoßen, hieße die Arbeit unserer Gegner und Hasser zu besorgen."

Kuriosum am Rande: Gleich auf Seite 2 der aktuellen "Zur Zeit"-Ausgabe prangt ein FPÖ-Inserat für die Europa-Wahl, das noch Mölzer neben dem neuen Spitzenkandidaten Harald Vilimsky zeigt. (APA, 15.4.2014)

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