Leberzirrhose: Rechtzeitiges Therapie-Ende erhöht Überlebensdauer

15. April 2014, 11:37
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Die Therapie mit Betablockern ist bei einer Leberzirrhose bis zu einem gewissen Krankheitsstadium sinnvoll, danach verschlechtert sie die Lebenserwartung deutlich

Die Effekte einer Betablockertherapie an 607 Patienten mit Leberzirrhose und Bauchwassersucht - einer schweren Komplikation infolge einer Leberzirrhose - standen im Zentrum der Untersuchungen, die das Team der Vienna Portal Hypertension Study Group um Mattias Mandorfer und Thomas Reiberger an der MedUni Wien durchführte. Die Studienresultate besagen: Beim Auftreten einer Bauchwasserinfektion sollte eine sofortige Beendigung der Betablockertherapie erfolgen.

Neue Definition des therapeutischen Fensters

Damit ist belegt, dass im Gegensatz zu bisherigen Empfehlungen die Therapie mit Betablockern nur bis zu einem gewissen Krankheitsstadium zu empfehlen ist. Um welchen Zeitpunkt es sich dabei handelt, erklärt Mandorfer folgendermaßen: "Die Arbeit zeigt, dass das Auftreten einer Bauchwasserentzündung das therapeutische Fenster der Betablockertherapie schließt. Andernfalls verkürzt sich bei dieser Gruppe von Patienten auf Grund von Nebeneffekten wie ausgeprägtem Blutdruckabfall und Nierenfunktionseinschränkung die Überlebensdauer deutlich."

Die Reduktion des Blutdrucks im Pfortaderkreislauf ist eine im Rahmen der Betablockertherapie erwünschte Wirkung, denn der Großteil der schwerwiegenden Komplikationen bei Patienten mit Leberzirrhose wird durch die Entstehung eines Pfortaderhochdrucks ausgelöst. Deshalb werden Betablocker seit Jahrzehnten einzige medikamentöse Behandlungsoption eingesetzt.

Bauchwasserinfektion verstärkt die Belastung des Kreislaufs erheblich

Die Kehrseite der Medaille: Während Patienten mit einer frühen oder nicht sehr weit fortgeschrittenen Leberzirrhose in der Regel normale oder nicht maßgeblich erniedrigte Blutdruckwerte aufweisen und dadurch über eine ausreichende Blutdruckreserve verfügen, leiden Patienten mit einer fortgeschrittenen Leberzirrhose in der Regel bereits ohne Betablockertherapie an einem deutlich erniedrigten Blutdruck.

Eine hinzutretende Bauchwasserinfektion verstärkt die Belastung des Kreislaufs erheblich. Dazu Thomas Reiberger von der "Vienna Portal Hypertension Study Group" an der MedUni Wien unter der Leitung von Markus Peck-Radosavljevic: "Die zusätzliche Entwicklung einer Bauchwasserinfektion stellt eine ausgeprägte Kreislaufbelastung dar. Patienten mit einer solchen Infektion wiesen in unserer Studie deutlich niedrigere Blutdruckwerte als Patienten ohne Betablockertherapie auf."

Als Folge würden Patienten mit einer Betablockertherapie zum Zeitpunkt der Bauchwasserentzündung deutlich häufiger lebensbedrohliche Komplikationen entwickeln, insbesondere Einschränkungen der Nierenfunktion. (red, derStandard.at, 15.4.2014)

Quelle:

Mandorfer M., Bota S., Schwabl P., Bucsics T. et al: "Non-selective β Blockers Increase Risk for Hepatorenal Syndrome and Death in Patients with Cirrhosis and Spontaneous Bacterial Peritonitis." Gastroenterology 2014 Mar 12. pii: S0016-5085(14)00306-0. doi: 10.1053/j.gastro.2014.03.005. [Epub ahead of print]. PMID 24631577. Link: ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/24631577

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