Voest-Verkauf im Eiltempo

26. August 2003, 10:59
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ÖIAG will Privatisierung der Voestalpine soll noch vor der oberösterreichischen Landtagswahl durchpeitschen

Wien - Die Verstaatlichtenholding ÖIAG hat es mit der Privatisierung der Voestalpine nun besonders eilig: Der Verkauf des 34,7-Prozent-Aktienpaketes soll noch vor der oberösterreichischen Landtagswahl am 28. September durchgezogen werden.

Die Vorentscheidung über das Wie soll im Privatisierungsausschuss am Dienstag fallen, erfuhr der Standard aus ÖIAG-Kreisen. Der Beschluss selbst steht in der ÖIAG-Aufsichtsratssitzung am 5. September auf der Agenda. In der ÖIAG bestätigt man diesen Zeitplan nicht, bis September soll der Fahrplan stehen.

Wandelanleihe wäre Bankrotterklärung

Da sich die Platzierung des rund 500 Mio. Euro schweren staatlichen Voest-Pakets an der Börse in vier Wochen schlicht nicht ausgeht - dafür bräuchte man mindestens sechs Wochen -, sollen zunächst nur 20 bis 25 Prozent an institutionelle Investoren verkauft werden. Für den Rest, also zehn bis 15 Prozent, ist an eine Wandelanleihe nach dem Vorbild der Telekom Austria gedacht, die nach drei bis fünf Jahren in Voest- Aktien getauscht wird - der Standard berichtete.

Eine Wandelanleihe betrachten Kapitalmarktexperten allerdings als Bankrotterklärung der ÖIAG. "Von einer Privatisierung kann da keine Rede sein, denn dann bleibt die ÖIAG noch drei bis fünf Jahre drinnen", kritisiert ein Börse-Aufsichtsratsmitglied. Und danach weiß niemand, wer die Voest-Aktionäre sind.

Verbleib der ÖIAG in der Voest

Als Alternative böte sich ein Verbleib der ÖIAG in der Voest mit zehn bis 15 Prozent für ein- bis eineinhalb Jahre an. Den Mitte Juli präsentierten Wunschvorstellungen zufolge könnte damit auch das Voest-Management leben.

Dessen Präferenzen gehen weiter, sie wollen, dass alles an die Börse gebracht und davon die Hälfte an österreichische Investoren gestreut wird. Anbieten würden sich dafür die um Oberösterreichs Raiffeisen-Chef Ludwig Scharinger gruppierten Finanzinvestoren. Zusammen mit den knapp dreißig Prozent, die RLB OÖ, Wiener Städtische, Oberbank, Allianz und Voest- Mitarbeiter bereits halten, hätte der Stahlkonzern einen breiten, nicht syndizierten, heimischen Aktionärskern. (Luise Ungerboeck, Der Standard, Printausgabe, 23.08.2003)

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    Die Mitarbeiter der Voestalpine wehren sich gegen eine vollständige Privatisierung ihres Unternehmens - die kommt nun schneller als erwartet

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