Gehrer: Gesellschaft darf Wissenschaft Grenzen setzen

14. Oktober 2003, 20:03
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Gorbach: Letztendlich muss aber die Politik Entscheidungen treffen

Alpbach - "Nicht die Politik darf der Wissenschaft Grenzen setzen, sondern die Gesellschaft." Das erklärte Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) am Freitag zum Auftakt von "Junior Alpbach", der Jugend-Schiene der Alpbacher Technologiegespräche. Die Ministerin stellte sich dabei gemeinsam mit Infrastrukturminister Hubert Gorbach (F) den Fragen der Zwölf- bis 17-jährigen Teilnehmer, die u.a. von den Politikern wissen wollten, ob es nicht Aufgabe der Politiker wäre, den Forschern Grenzen zu setzen.

Nach Ansicht Gehrers befinden wir uns in einem Wertegefüge, aus dem heraus ein Diskussionsprozess zu neuen Möglichkeiten, die die Wissenschaft eröffnet, entsteht. Dazu habe die Bundesregierung auch die Bioethik-Kommission eingesetzt. Aus diesem gesellschaftlichen Prozess heraus müssten sich die Vorgaben entwickeln, was die Wissenschaft dürfe. Gorbach meinte, dass aber irgendjemand letztendlich auch die Entscheidung treffen müsse und das seien die Politiker. "Wenn es aber um Ethik geht, muss man sich als Politiker möglichst lange heraushalten und erst die Experten hören".

Ethik in der Wissenschaft

Mit der Frage "Ethik in der Wissenschaft" setzten sich auch Experten der steirischen Forschungsgesellschaft Joanneum Research bei einem Pressegespräch am Rande der Technologiegespräche auseinander. Für den wissenschaftlichen Leiter von Joanneum Research, Bernhard Pelzl, ist Ethik in der Wissenschaft "keine Frage von Geboten oder Verboten, sondern eine Frage der persönlichen Verantwortung, sowohl der Wissenschafter als auch der Nutzer neuer Technologien". Dafür würden die Menschen Orientierungshilfen benötigen, "denn niemand nimmt ihnen ihre persönliche Entscheidung ab, nicht einmal mehr die Kirche".

Um eine Plattform für den Diskurs nicht nur zwischen Experten, sondern auch mit den Betroffenen zu schaffen, veranstaltet Joanneum Research heuer erneut die Mariazeller Gespräche, die sich vom 24. bis 26. Oktober dem Thema "Menschenrecht auf Geborenwerden? - Pros und Contras zur pränatalen Diagnostik" widmen. Die Möglichkeit, schwere Behinderungen oder Erbkrankheiten an ungeborenen Kindern festzustellen, führe dazu, dass sehr viel weniger Menschen auf die Welt kommen. Es gehe aber nicht darum, die Wissenschaft mit Vorwürfen zu überhäufen, warum sie solche Instrumente zur Verfügung stelle. "Denn es gibt keine Forschung, die nicht ethische Konsequenzen nach sich zieht", so Pelzl.

"Bewusstsein schaffen"

Die Bioethik-Kommission habe die Aufgabe, die Regierung in ethischen Fragen zu beraten, damit sei dieser Prozess aber noch nicht beendet, meinte der steirische LHStv. und Forschungsreferenz Leopold Schöggl. Es gehe auch darum, Bewusstsein für diese Fragen zu schaffen und "ethische Werte alltagstauglich zu machen". Denn ethische Grundsätze würden alle angehen, jedes Unternehmen, jede Forschungseinrichtung und jede Familie. (APA)

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