Nach Wiederaufnahme des Walfangs durch Island

27. August 2003, 11:59
posten

Zunehmend Reiseabsagen aus Europa und den USA

Reykjavik/Stockholm - Die Tourismus-Branche auf Island klagt über eine zunehmende Welle von Reiseabsagen aus Europa und den USA wegen der Wiederaufnahme des Walfangs. Nach Angaben der Internetagentur NFI in Reykjavik sind bei Reiseveranstaltern seit Bekanntwerden der erneuten Jagd auf Zwergwale Absagen aus Großbritannien, den USA und Frankreich eingegangen. "Wir meinen, dass das erst der Anfang ist", erklärte die Marketing-Managerin von Iceland Travel, Sigrun Sigmundsdottir.

Mitte der Woche hatten 21 europäische Reiseveranstalter, darunter auch der weltweit größte Reisekonzern TUI, in einem Schreiben an die isländische Regierung appelliert, die Freigabe von 38 Zwergwalen zur Jagd für wissenschaftliche Zwecke noch einmal zu überdenken. Es hieß unter anderem, Island gelte als einer der weltweit besten Plätze, um Wale und Delfine zu beobachten.

"Erforschung der Essgewohnheiten"

Die Wale sollen bis Mitte September erlegt werden. Die isländische Regierung begründet die Jagd auf die nicht als bedroht geltende Art damit, dass die Essgewohnheiten der Meeressäuger mit Blick auf die Fischbestände rund um Island erforscht werden müssten. Tierschützer weisen diese Argumentation zurück und werfen den Walfängern vor, mit angeblichen wissenschaftlichen Begründungen ihre kommerziellen Interessen kaschieren zu wollen. Der schwedische Rundfunk berichtete am Freitag aus Reykjavik, dass das Fleisch der ersten erlegten Wale in Reykjavik reißenden Absatz gefunden habe. Die Fänger hatten zuvor Teile der Tiere beim isländischen Meeresforschungsinstitut abgeliefert. (APA/dpa)

Share if you care.