Pulitzer-Preise an NSA-Aufdecker

14. April 2014, 22:11
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"Guardian" und "Washington Post" ausgezeichnet - Snowden gratulierte den Journalisten

New York - Er ist zweifellos einer der begehrtesten Preise im amerikanischen Journalismus. Montagabend wurden wieder die Pulitzer-Preisträger 2014 bekannt gegeben und im Jahr, in dem Edward Snowden die Spionageaktivitäten des US-Geheimdienstes NSA ans Licht brachte, stand auch die begehrte Auszeichnung im Schatten der Affäre. Die US-Ausgabe der britischen Tageszeitung "Guardian" gewann gemeinsam mit der "Washington Post" den Pulitzer Preis für "Public Service" wegen ihrer umfassenden Berichterstattung über den NSA-Skandal. Dafür war eigens die wichtigste der 21 Preiskategorien geteilt worden, um zwei Blätter ehren zu können. 

Die "Washington Post" bekomme den Preis für "die Enthüllung der weitreichenden Überwachung durch die National Security Agency, besonders die maßgeblichen und aufschlussreichen Berichte, die der Öffentlichkeit halfen, den größeren Rahmen zu verstehen". Beim "Guardian" klingt die Formulierung fast genau so. Hier wird hervorgehoben, dass die Zeitung "mit ihrer streitlustigen Berichterstattung geholfen hat, einen Funken an die Debatte um staatliche Überwachung und den Widerspruch zwischen Sicherheit und Privatsphäre zu legen".

Snowden gratuliert Journalisten

Edward Snowden sagte in einer schriftlichen Reaktion, die Preise erinnerten daran, dass eine freie Presse das bewirken könne, wozu kein Einzelner alleine imstande sei. "Meine Anstrengungen wären ohne Einsatz, Engagement und Können dieser Zeitungen bedeutungslos gewesen", schrieb Snowden auf der Webseite der US-"Freedom of the Press Foundation". Er gratulierte den Journalisten. Trotz außerordentlicher Einschüchterungen wie die erzwungene Zerstörung journalistischen Materials sowie eine unangemessene Anwendung der Terrorismusgesetze hätten sie mutig weitergearbeitet.

Die beiden Zeitungen setzten sich gegen den "Newsday" von Long Island bei New York durch, der über Polizeigewalt berichtet hatte. Ein weiterer Preis in der Kategorie investigativer Journalismus ging an den Journalisten Chris Hamby, der ein Kartell aus Anwälten und Ärzten aufgedeckt hat, das kranke Bergarbeiter um Entschädigungen gebracht hatte. Der "Boston Globe" wurde für seine "eingehende und einfühlsame Berichterstattung" über den Bombenanschlag auf den Marathon vor einem Jahr geehrt

Für seine Berichterstattung über Lebensmittelbons in den USA bekam Eli Saslow den Pulitzer Preis in der Kategorie "Explanatory Reporting". Damit darf sich die "Washington Post", gemeinsam mit der "New York Times", über insgesamt zwei Auszeichnungen freuen.

21 Kategorien

Insgesamt werden Pulitzer-Preise in 21 Kategorien vergeben, und zwar 14 für journalistische und sieben für künstlerische Arbeiten, darunter auch Drama und Musik. Das Preisgeld beträgt jeweils 10.000 Dollar (7.000 Euro). Kein Preis wurde deises Jahr in der Kategorie "Feature Writing" vergeben. Der Gewinner des Hauptpreises "Dienst an der Öffentlichkeit", immer eine Zeitung und keine Einzelperson, bekommt eine Goldmedaille.

Donna Tartt ("Die geheime Geschichte") bekam den Hauptpreis in Literatur für ihren Roman "Der Distelfink". Er schildert den Kampf eines Burschen, nachdem seine Mutter bei einem Bombenanschlag ums Leben kam. Dabei kommt der 13-Jährige einem Geheimnis auf die Spur. Nach Ansicht der Jury ist der Roman "wunderschön geschrieben" und die Charaktere sind "ausgezeichnet entworfen".

Bestes historisches Werk war für das Komitee "The Internal Enemy: Slavery and War in Virginia, 1772-1832" von Alan Taylor über Sklaverei im Bundesstaat Virginia, der Heimat von George Washington und Thomas Jefferson. Die beste Biografie habe Megan Marshall mit "Margaret Fuller: A New American Life" über die Schriftstellerin geschrieben. Mit dem Preis für Poesie wurde der in Indien geborene Vijay Seshadri für "3 Sections" geehrt, der für Musik ging an John Luther Adams für sein Orchesterwerk "Become Ocean".

Die Pulitzer-Preise im Bereich Journalismus 2014 im Überblick

Die Jury besteht hauptsächlich aus Verlegern, Publizisten und Schriftstellern. Sie wählen an der New Yorker Columbia-Universität die Preisträger in einem mehrstufigen Verfahren aus Tausenden Einsendungen pro Jahr.(red/APA, derStandard.at, 14.4.2014)

  • Ewan MacAskill und Laura Poitras vom "Guardian".
    foto: ap/bebeto matthews

    Ewan MacAskill und Laura Poitras vom "Guardian".

  • David Philipps (Mitte) von "The Gazette", Colorado Springs, feiert den Kategoriensieg bei "National Reporting".
    foto: ap/mark reis

    David Philipps (Mitte) von "The Gazette", Colorado Springs, feiert den Kategoriensieg bei "National Reporting".

  • "Tampa Bay Times"-Journalisten Michael LaForgia und Will Hobson stoßen auf den Pulitzerpreis an.
    foto: apa/epa/james borchuck / tampa bay times

    "Tampa Bay Times"-Journalisten Michael LaForgia und Will Hobson stoßen auf den Pulitzerpreis an.

  • "Washington Post"-Reporter Barton Gellman und Eli Saslow.
    foto: apa/epa/katherine frey/the washington post

    "Washington Post"-Reporter Barton Gellman und Eli Saslow.

  • Fotograf und Pulitzer-Preisträger Tyler Hicks von der "New York Times".
    foto: apa/epa/ruth fremson / the new york times

    Fotograf und Pulitzer-Preisträger Tyler Hicks von der "New York Times".

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