Dividendenpolitik: Belohnung mit Augenmaß

Kommentar14. April 2014, 18:43
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Dass Unternehmen ihre jährliche Ausschüttung erhöhen, obwohl die Gewinne sinken, muss hinterfragt werden

Privataktionäre kann man in Österreich mit der Lupe suchen. Nur wenige Prozent der Bevölkerung wagen diese Form der Unternehmensbeteiligung. Zu groß ist vielen das Risiko der Kursschwankung, zu stark die Angst vor dem Verlust des eingesetzten Kapitals. Dass sich mit Aktien auch gut verdienen lässt, haben die vergangenen Jahre aber deutlich gezeigt. Und wer sich für jene Papiere entscheidet, die eine Dividende ausschütten, bekommt auch noch einen Bonus für Mut und Treue.

Dass Unternehmen ihre jährliche Ausschüttung erhöhen, obwohl die Gewinne sinken, muss allerdings hinterfragt werden. Warum sollen Aktionäre einen Bonus bekommen, wenn im Betrieb Sparpakete geschnürt und Mitarbeiter um ihre Arbeitsplätze gebracht oder die Konzerne wegen anderer Probleme umgebaut werden müssen? Wäre es nicht klüger, dass Unternehmen Kapitalpolster aufbauen, Liquidität sichern, Mitarbeiter behalten oder umschulen, anstatt wegen Kostendrucks zu kündigen - um dann die Aktionäre zu belohnen? Investitionen in Forschung und Entwicklung wären ebenfalls ein Ansatz, um im Wettbewerb langfristig eine Rolle spielen zu können. Auch das würde Aktionären zugutekommen - sogar langfristig.

Ja, die Zufriedenstellung der Anteilseigner ist ein wichtiger Punkt, sie stellen schließlich ihr Geld zur Verfügung. Eine Belohnung um jeden Preis, nämlich auf Kosten der Substanz des Unternehmens, rechtfertigt dies aber nicht. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 15.4.2014)

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