Begas: Öffentliche Hand, eigene Tasche

14. April 2014, 17:30
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Begas-Provisionen werden auf Simandl-Konten gesucht

Eisenstadt - Allmählich gewinnen die Ermittlungen gegen den früheren Chef des früheren burgenländischen Gasversorgers Begas, wenn schon nicht an Rasanz, so doch an Brisanz. Rudolf Simandl - so heißt dieser aktuelle Gottseibeiuns burgenländischer politökonomischer Befindlichkeit - war zwar dem Vernehmen nach immer wieder depressionsbedingt gehindert, bei Einvernahmen Aussagen zum Untreueverdacht zu tätigen. Untersucht wurde und wird klarerweise dennoch.

Und ab und zu lassen die Untersucher auch - mag sein, genervt von der Zähflüssigkeit, in der sie sich zu bewegen haben - gezielt was sickern. Im Kurier unlängst, dass besagter Simandl im Landtagswahljahr 2005 stolz dem Landeshauptmann rapportiert habe, wie erfolgreich die SPÖ bei der Begas-Postenbesetzung gewesen sei. Eine Vollzugsmeldung, die vom LH-Büro freilich umgehend dementiert wurde. So ein Brief sei nie und nimmer eingegangen.

Am gestrigen Montag nun hat der ORF vermeldet, Simandl habe womöglich - neben all dem anderen, über dem klarerweise auch die strenge Sonne der Unschuldsvermutung leuchtet - auch Provisionen aus sogenannten Cross-Border-Leasing-Geschäften persönlich eingesackt. Provisionen in der Höhe von rund einer Million Euro, die eigentlich dem Unternehmen gebührt hätten, welches im Mehrheitseigentum der von ihm versorgten Gemeinden stand, bis es 2012 mit dem Stromversorger Bewag zur Energie Burgenland verschmolz.

Die Malversation - so es denn eine gewesen ist - lief über einen ungarischen Kontakt, wie die Ermittler schon im vergangenen November via Kurier haben andeuten lassen. Die Geldflüsse seien hoch kompliziert angelegt gewesen. Gleichwohl sind sich die Ermittler sicher: "Es kann mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass das Geld aus der Provision, die der Begas zukommen hätte müssen, in der Familie des beklagten Simandl gelandet ist."

Das und vieles andere - zum Beispiel die gerade zivilgerichtlich anhängige Frage, ob die neue Energie Burgenland die schon 2000 an Simandl ausbezahlte Begas-Pension zurückbekommt - wird juristisch geklärt.

Daneben harren aber auch andere Fragen der Beantwortung. Zum Beispiel jene nach der Eigentümerverantwortung. In diesem Fall: burgenländische Gas-Gemeinden und EVN. Ein Beobachter formuliert es drastisch: "Nix hören, nix sehen und ja nix sagen: Welche drei Affen saßen denn da im Aufsichtsrat." (wei, DER STANDARD, 15.4.2014)

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