Der Heiligenschein im Müll

14. April 2014, 17:21
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Journalisten, Anwälte und Betroffene diskutierten den medialen Umgang mit Prominenten

Wenn Sie demnächst von einer Mülltonne auf dem Gehsteig überholt werden, erschrecken Sie nicht. Dann ist es nur Hans Paul bei der Arbeit. Paul ist der bekannteste Paparazzo Deutschlands. Er plauderte am Sonntag bei Günther Jauch aus dem Nähkästchen, das in seinem Fall ein Mistkübel ist. Ein umgebauter, um Promis versteckt fotografieren zu können.

Doch umgebaute Mistkübel waren gar nicht Jauchs Thema im Ersten. Dieses lautete "Wie geht es Michael Schumacher? - Prominente und die Grenzen der Berichterstattung".

Seit mehr als hundert Tagen liegt der ehemalige deutsche Formel-1-Fahrer und siebenfache Weltmeister Schumacher nach einem Skiunfall im Koma, seit längerer Zeit befindet er sich in der Aufwachphase.

Journalisten, Anwälte und Betroffene diskutierten den medialen Umgang mit Prominenten. Es war eine Diskussion oh­ne größeren Erkenntnisgewinn. Paparazzi schrecken vor nichts zurück, wenn sie ein Foto schießen wollen, Bild sei gar nicht so schlimm, alle waren recht höflich zueinander, stellten sich selbst in ein Licht, das von einem Heiligenschein hätte stammen können.

Aufhorchen ließ einmal Schumachers Managerin Sabine Kehm, die die Onlineredaktion als die Schmuddelausgabe des Printproduktes ansah - im Falle des deutschen Magazins Focus, das Hanebüchenes über Schumacher im sogenannten Liveticker geschrieben hatte.

Und einmal Jauch selbst. Um vorzuführen, wie schröcklich die Yellow Press sei, hielt er eine Ausgabe von Die Aktuelle hoch. Darin war ein Foto über ein Schlagloch in Jauchs Nachbarschaft, das Aufhänger über eine Geschichte über den Moderator war. Definitiv ein zu eitles Beispiel. (Karl Fluch, DER STANDARD, 15.4.2014)

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