Wien ist drittgrößter Industriestandort

14. April 2014, 13:03
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8.000 Unternehmen mit rund 137.000 Beschäftigten produzieren in Wien. Die Zahl sinkt, die Wertschöpfung steigt

Wien - Für den Produktionsstandort Wien gab es zuletzt manch wenig erfreuliche Nachrichten. Seit Jahrzehnten produziert Knowles Electronics am Wienerberg Handy-Lautsprecher für die Großen der Branche. Jetzt wird die Produktion nach Asien verlegt. Umgekehrt baut Schnittenproduzent Manner derzeit seinen Wiener Standort kräftig aus. Auch wenn das für ein produzierendes Unternehmen erhebliche Herausforderungen bedeutet.

Großstädte wie Wien werden kaum als Industriestandorte wahrgenommen, dennoch fielen im Jahr 2010 in der Hauptstadt 8.000 Unternehmen mit rund 137.000 Beschäftigten in den "produzierenden Bereich". Von diesen rund 8.000 Unternehmen haben rund 200 größere, industriell produzierende Unternehmen 100 Beschäftigte und mehr.  In den vergangenen fünfzehn Jahren ist diese Zahl zwar geschrumpft, die Wertschöpfung allerdings gestiegen, wie eine am Montag präsentierte Studie der Wiener Industriellenvereinigung (IV) zeigte. 18 Prozent  - in Zahlen 12,3 Milliarden Euro - der Wertschöpfung Wiens stammen demnach aus dem Produzierenden Bereich.

Vergleicht man die Zahlen dieser Unternehmen mit dem Jahr 1995, zeichnet sich deutlich die Entwicklung zu weniger, aber produktiveren Unternehmen ab: Gab es 1995 noch 259 Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern, waren es 2010 nur noch 194. Die Wertschöpfung stieg allerdings von 7,5 Mrd. Euro auf 9,3 Mrd. Euro. Damit ist Wien nach Niederösterreich und Oberösterreich der drittgrößte Produktionsstandort Österreichs.

"Um zu sehen, wie wesentlich die Industrie für den Wirtschaftsstandort Wien ist, muss man auch die Folgewirkung einbeziehen", betonte der Präsident der Wiener Industriellenvereinigung, Siemens-Chef Wolfgang Hesoun, bei der Präsentation. Bei der Berechnung der mittelbaren Effekte der großen Unternehmen kommt die Studie des Industriewissenschaftlichen Instituts auf weitere knapp 90.000 Beschäftigte und eine zusätzliche Wertschöpfung von bis zu 8,6 Mrd. Euro (1995: 5,3 Mrd. Euro). "Das ist vor allem besonders, weil in den vergangenen Jahren viele Bereiche wie IT oder Marketing aus den Industrieunternehmen ausgelagert und von externen Spezialisten übernommen wurden", meinte der Geschäftsführer der Wiener IV Johannes Höhrhan.

Rahmenbedingungen schaffen

Um die Wiener Industrie auch weiterhin zu stärken, unterzeichneten Stadt und Industriellenvereinigung am Montag bereits zum vierten Mal ein Standortabkommen inklusive eines Maßnahmenpaktes. "Die Zusammenarbeit zwischen der Industrie und der Stadt Wien hat eine sehr gute Tradition", erklärte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ). Wien bekenne sich zu seiner Rolle als Industrie- und Wirtschaftsstandort und wolle daher auch entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. "Wir wissen, was wir aneinander haben", lobte Häupl die gute Kooperation. Die 50 Maßnahmen beziehen sich daher nicht nur direkt auf den produzierenden Bereich, sondern setzen auch Schwerpunkte bei Bildung, dem gesellschaftlichen Miteinander, Forschung und Entwicklung sowie Infrastruktur und Verkehr.

"Wir brauchen die Industrie und wir brauchen sie in der Stadt", betonte auch Finanzstadträtin Renate Brauner (SPÖ). Mit dem Standortabkommen liege ein "strategisches Arbeitsprogramm" vor. Sie wolle nicht nur das Bild der Industrie in den Köpfen der Menschen verändern, sondern etwa auch Start-ups und Betriebsgründungen unterstützen oder die Qualifikation der Mitarbeiter weiter vorantreiben. In dem Maßnahmenpaket würden sich allerdings auch Punkte finden, die nicht im Kompetenzbereich der Stadt liegen, wie Brauner erklärte. "Da richten wir uns an den Bund, etwa wenn es um eine Verbesserung der Rot-Weiß-Rot-Card geht", nannte die Finanzstadträtin ein Beispiel. (APA/red, derStandard.at, 14.4.2014)

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