ATX-Firmen: Weniger Gewinn, mehr Dividende

14. April 2014, 12:53
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Dividendenkaiser wsind Conwert und die Post, die Arbeiterkammer ortet eine "Explosion der Ausschüttungsquoten"

Wien - Die Konzerne des Leitindex ATX haben im Vorjahr weniger verdient, zahlen aber mehr Geld an ihre Aktionäre aus, erhob die Arbeiterkammer und kritisiert die "wahre Explosion der Ausschüttungsquoten" von 40,1 auf 58,2 Prozent. "In 60 Prozent der Konzerne werden die Dividendenzahlungen erhöht - zum Teil sehr kräftig", so Studienautor Markus Oberrauter in einer Aussendung.

Insgesamt 2,1 Mrd. Euro bekommen die Aktionäre der 20 ATX-Unternehmen für das Geschäftsjahr 2013 laut AK-Prognose. Das ist ein Plus von 3,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Am meisten gibt es - absolut gesehen - von der OMV, die 407,8 Mio. Euro ausschüttet (Vorjahr: 391,5 Mio.). Auch Verbund-Eigner können sich freuen, sie bekommen dank des Asset-Swaps mit der deutschen E.ON eine Bonusdividende von 45 Cent pro Aktie, womit insgesamt 347,4 Mio. (208,4 Mio.) Euro zur Ausschüttung gelangen.

Eine kräftige Erhöhung steht bei der Raiffeisen Bank International (RBI) ins Haus (298,3 Mio. nach 228 Mio. Euro). Grund für das Plus ist die Kapitalerhöhung und die infolgedessen gestiegene Aktienzahl. Die Dividende selbst sank von 1,17 auf 1,02 Euro je Anteilsschein.

Die Vienna Insurance Group (VIG), Nummer vier im Ausschüttungsranking der AK, zahlt für 2013 166,4 (153,6) Mio. Euro an Dividende und die voestalpine soll Analystenschätzungen zufolge 165,5 (153,5) Mio. Euro ausschütten. Das Geschäftsjahr des Stahlkonzerns endete erst im März.

Rückgang bei Erste Group, Andritz, Lenzing

Weniger erhalten nur die Aktionäre der Erste Group, des Maschinenbauers Andritz und der Faserherstellers Lenzing. "Letzterer zahlt - ähnlich wie der Leuchtenkonzern Zumtobel - trotz massivem Personalabbau eine Dividende", moniert die AK. Zwei Unternehmen, nämlich die Erste und der Ziegelhersteller Wienerberger, schütten trotz Verlusts Geld an ihre Eigner aus. Bei der Immofinanz ist heuer keine Barauszahlung geplant, das vergangene Geschäftsjahr war von der Abspaltung der Wohnungstochter Buwog geprägt.

Dividendenkaiser waren der Immobilienkonzern conwert und die Post, die mehr ausschütten als sie Gewinn erwirtschaften. Hohe Ausschüttungsquoten errechnete die AK auch für Lenzing (92,7 Prozent), die RBI (83,5 Prozent), Mayr-Melnhof (78,1 Prozent), Andritz (77,6 Prozent), die CA Immo (72,7 Prozent), sowie die VIG (70,9 Prozent). Am wenigsten gab es - verhältnismäßig - bei der Telekom Austria (25,6 Prozent). Im Schnitt ergibt sich für die 17 Unternehmen, für die bereits Ergebnisse vorliegen, eine Ausschüttungsquote von 58,2 Prozent.

"Diese Entwicklung ist alles andere als erfreulich", meint AK-Präsident Rudolf Kaske. Den Unternehmen würden so wichtige Investitionen vorenthalten, was wiederum zu einem Bumerang werden könne. "Denn irgendwann leidet die Wettbewerbsfähigkeit und die Folge ist dann das Unkreativste, was sich die Manager einfallen lassen können: massiver Personalabbau."

Dass geringere Dividenden höhere Investitionen bedeuten, sei ein Trugschluss, hält dem die Industriellenvereinigung entgegen. Ausschüttungen garantierten vielmehr, "dass Eigentümer und Investoren dem Unternehmen vertrauen und auch wieder Kapital für Investitionen zur Verfügung stellen", so IV-Generalsekretär Christoph Neumayer. In Relation zum Personalaufwand habe die Dividendenausschüttung im Jahr 2012 lediglich elf Prozent betragen, für 2013 sei "keine wesentliche Veränderung erkennbar". Und: Im Vergleich zum Vorkrisenjahr 2007 seien die Dividenden gemessen am Umsatz bis 2012 um 47 Prozent gesunken.

Immofinanz-Chef ist Topverdiener

Die Vorstandschefs der ATX-Konzerne haben 2013 im Schnitt 1,53 Mio. Euro verdient, ein Minus von 1,9 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die fetten Jahre für Manager sind aber vorbei, glaubt hkp-Chef Michael Kramarsch.

Topverdiener war Immofinanz-Boss Eduard Zehetner mit 3,18 Mio. Euro, EVN-Chef Peter Layr kam laut der hkp-Erhebung auf vergleichsweise magere 482.300 Euro. Kramarsch, der sich in Deutschland einen Ruf als Experte für Managergagen erarbeitet hat, ortet angesichts der großen Unterschiede einen "Aufholbedarf bei den niedrigeren Einkommen".

Der Großteil der ATX-CEOs kommt auf ein Jahresgehalt von mehr als eine Million Euro: Laut hkp verdienten elf Vorstandsvorsitzende zwischen einer und zwei Millionen Euro, fünf Konzernchefs sogar darüber. OMV-Chef Gerhard Roiss, als Nummer 2 hinter Zehetner, strich 2013 2,86 Mio. Euro ein, Erste-Group-CEO Andreas Treichl 2,48 Mio. Euro. voestalpine-Boss Wolfgang Eder cashte 2,3 Mio. Euro und Wilhelm Hörmanseder von Mayr-Melnhof 2,07 Mio. Euro. (APA, 14.4.2014)

  • Die Industriellenvereinigung verteidigt die hohen Ausschüttungen.
    foto: reuters/heinz-peter bader

    Die Industriellenvereinigung verteidigt die hohen Ausschüttungen.

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    grafik: apa
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