Mit niedrigem Blutzuckerspiegel streitet es sich aggressiver

14. April 2014, 21:00
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Untersuchung an über 200 Paaren zeigte, dass Hunger zu heftigeren Auseinandersetzungen führen kann

Washington/Wien - Im Englischen liegen die beiden Begriffe für hungrig und ärgerlich phonetisch eng beisammen. Seit 2003 gibt es im Urban Dictionary sogar ein eigenes Wort für die Kombination aus beidem: hangry. Dass Hunger und Aggressivität etwas miteinander zu tun haben, ist den meisten von uns aus eigener Anschauung bekannt. Und augenscheinlich wird der Zusammenhang in Fernsehformaten wie dem Dschungelcamp dazu ausgenützt, um Streitereien zwischen den Kandidaten zu provozieren.

Forscher um Brad Bushman von der Ohio State University wollten dem Zusammenhang auf den Grund gehen und experimentell testen, ob ein niedriger Blutzuckerspiegel auch bei langjährigen Eheleuten zu mehr Konflikten, womöglich sogar zu häuslicher Gewalt führen könnte.

Um ihre Hypothesen zu testen, statteten die Forscher insgesamt 107 verheiratete Paare mit Blutzuckermessgeräten und "Voodoopuppen" aus. Die Ehepartner sollten morgens und abends den Blutzuckerspiegel messen und umso mehr Nadeln in die Puppe bohren, je verärgerter sie über ihren Partner waren.

Geringerer Blutzuckerspiegel, mehr Nadeln

Die im Fachmagazin "PNAS" veröffentlichten Ergebnisse waren eindeutig: Weniger Blutzucker führte zu mehr Nadeln in der Puppe. Dieser Zusammenhang wurde dann auch noch einmal bei einem Abschlusstest nach drei Wochen offenbar: Bei einem Spiel konnten die Eheleute einander mit unangenehmen Geräuschattacken bestrafen; je hungriger die Probanden waren, desto länger und lauter fiel die akustische Qual (etwa Bohrgeräusche beim Zahnarzt) aus.

Die Forscher erklären den Zusammenhang mit einer verminderten Selbstkontrolle durch einen sinkenden Blutzuckerspiegel. Dieser führt dazu, dass aggressive Impulse und Gefühle schlecht unterdrückt werden können. Schwierige Probleme sollte man mit dem Partner jedenfalls möglichst satt besprechen. (tasch, DER STANDARD, 15.04.2014)

  • Eine Puppe aus dem Experiment mit Eheleuten.
    foto: jo mcculty, ohio state university

    Eine Puppe aus dem Experiment mit Eheleuten.

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