YLine-Prozess startet dreizehn Jahre nach Pleite

14. April 2014, 11:45
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Elf Angeklagte müssen sich nach Ostern im Großen Schwurgerichtssaal im Wiener Landesgericht verantworten

Wien - Fast dreizehn Jahre nach der Pleite der Internetfirma YLine wird nun ein Strafprozess geführt. Elf Angeklagte müssen sich nach Ostern im Großen Schwurgerichtssaal im Wiener Landesgericht verantworten. Im Herbst 2001 war die börsenotierte Internetfirma von Werner Böhm in Konkurs gegangen.

Der Masseverwalter hatte 2002 Anzeige erstattet. Fertiggestellt wurde die Anklage nach jahrelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wien von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA), die die Causa erst mit ihrer Gründung im September 2011 übernommen hatte. Ende 2012 lag dann die Anklage vor. Nach Einsprüchen dagegen stellte das Oberlandesgericht (OLG) Wien das Verfahren gegen einen der ursprünglich zwölf Angeklagten wegen Verjährung der Vorwürfe ein.

Die Hauptverhandlung beginnt am 23. April und wird am 24. und 25., 29. und 30. April fortgesetzt, zahlreiche weitere Termine bis Juni sind fixiert. Vorsitzende Richterin des Schöffensenats ist Marion Zöllner. Die Anklage spricht von Untreue, schwerem Betrug und Bilanzfälschung, der Strafrahmen reicht bis zu zehn Jahren Haft. Hauptangeklagter ist Werner Böhm. Der heute 49-Jährige hat alle gegen ihn erhobenen Vorwürfe immer bestritten.

Ex-Shootingstar des New-Economy-Hypes

Die vom Ex-IBM-Manager Böhm im April 1998 gegründete Firma galt als ein Shootingstar des New-Economy-Hypes um die Jahrtausendwende. Aktien wurden an der Wiener Börse sowie an der damaligen Brüsseler Wachstumsbörse EASDAQ ausgegeben. Im Zuge eines großen Computergeschäfts mit IBM ging YLine schließlich 2001 pleite. Der Masseverwalter übermittelte 2002 im Auftrag der Gläubiger eine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft.

Das Insolvenzverfahren ist mittlerweile beendet. Der Konkurs wurde im September 2001 eröffnet und im September 2011 aufgehoben. Im Insolvenzverfahren zahlte die FPÖ unter Parteichef Heinz-Christian Strache nach fünfjährigem Rechtsstreit 2007 in einem Vergleich 580.000 Euro Honorar an die Masse. Die Yline hatte 15 Monate vor Konkurseröffnung einen Webseitenvertrag mit der damaligen FPÖ abgeschlossen, wonach sie den Internetauftritt der FPÖ (die Einrichtung einer Homepage, deren Betreuung samt Content-Management-System) betreuen sollte.

Die YLine-Tochter FirstInEx hatte die Homepage des Finanzministeriums unter dem damaligen Finanzminister Karl-Heinz Grasser gestaltet sowie dessen umstrittene, von der Industriellenvereinigung (IV) mitfinanzierte Website des "Vereins zur Förderung der New Economy". Einer der Anteilseigner von FirstInEx war Grassers Vater. Grasser selbst besaß nach eigenen Angaben 285 YLine-Aktien. Böhm selber ließ später laut Medienberichten verlauten, er habe ein Angebot der FPÖ, das Infrastrukturministerium zu übernehmen, ausgeschlagen.

Im September 2001 war das Unternehmen insolvent. Noch im Juni 2001 hatte die US-Investmentbank Lehman Brothers zum aggressiven Kauf der YLine Aktie geraten. YLine sei nie vom Gedanken geleitet gewesen, "Geld zu verdienen", "sondern vielmehr darauf bedacht gewesen - insbesondere durch die Aufnahme von Eigenkapital am Kapitalmarkt - eine geeignete Finanzierung der laufenden Aufwendungen sicherzustellen", begründete der Masseverwalter im Jahr 2002 seine Sachverhaltsdarstellung an die Staatsanwaltschaft im Auftrag der YLine-Gläubiger. Im Zuge des YLine-Konkurses wurden insgesamt 25,5 Mio. Euro an Passiva anerkannt. (APA, 14.4.2014)

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