Das Optische am Wohnen ist mir ziemlich wurscht

18. Mai 2015, 05:30
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Günter "Mo" Mokesch wohnt mit Familie unter einer Dachschräge in der Nähe des Wiener Karmelitermarkts

Der Wiener Musiker Günter Mokesch, besser bekannt als Mo, wohnt mit Familie unter einer Dachschräge. Wichtiger als der Look der Wohnung ist jedoch die Stille in seinem Tonstudio. Wojciech Czaja hat ihn besucht.

"Das war echt lustig. Ich war monatelang auf Wohnungssuche, habe sogar schon einen Kaufvertrag unterschrieben, die Wohnung war ganz gut, aber nicht der Heuler, und dann, wenige Tage nach Vertragsunterzeichnung, bin ich zufällig, obwohl ich längst nicht mehr auf Suche war, auf diese wunderschöne Mietwohnung in der Nähe des Karmelitermarkts gestoßen. Es war Liebe auf den ersten Blick. Zum Glück konnte ich mich aus dem Kaufvertrag noch irgendwie rausschummeln. Seit damals ist das mein Zuhause. 137 Quadratmeter, ganz für mich allein!

foto: lisi specht
Günter "Mo" Mokesch in seinem Wohnzimmer am Karmelitermarkt. Die Plattensammlung liegt in der "gefährlichen Kleinkinderzone", wurde von Sohn Julian bisher aber verschont. (Bildansicht durch Klick vergrößern)

Und tatsächlich, in den ersten Jahren war das eine klassische Junggesellenwohnung, mit Dachschrägen, Dachterrasse, Blick in den Himmel und lauter offenen Räumen. Seit zwei Jahren lebe ich hier mit meiner Lebensgefährtin und unserem gemeinsamen Sohn. Was früher mein Musik-Probezimmer war, ist nun das Kinderzimmer für Julian. Die laute und ungestörte Arbeit wie Komponieren, Liedertexten und Proben mache ich nun in einem kleinen Lokal um die Ecke, das ich angemietet und schallisoliert habe.

Meine Erfahrung zeigt, dass man, sobald man ein Baby kriegt, eigentlich ausziehen und komplett neu bauen müsste. Bis 1,20 Meter Höhe muss alles robust, leicht zu reinigen und schlachtfeldkonform sein. Alles darüber darf auch manch wertvolleres, filigranes Stück beinhalten. Mein Pech, dass die Musikanlage und meine Plattensammlung in der unteren, gefährlichen Kleinkinderzone untergebracht sind. Wie durch ein Wunder jedoch sind all meine Vinylplatten noch ganz - und das, obwohl viel anderes bereits schrottplatzreif zertrampelt wurde. Ich glaube, die Ehrfurcht vor der Musik liegt dem Kleinen in den Genen.

Ich bin ein durch und durch auditiver Mensch. Alles in meinem Leben konzentriert sich auf das Gehör. Das Optische - also auch das, wie mein Wohnen aussieht - ist mir ehrlich gesagt ziemlich wurscht. Ein bissl Licht, ein schönes Fenster in der Dachschräge, eine funktionierende Ikea-Küche, und ich bin bereits zufriedengestellt. Wovon ich mich aber sicher nie wieder trennen möchte, sind die roten Bilder von Tony Waltinger. Das ist ein befreundeter Künstler, den ich sehr schätze.

Es gibt ein paar Sachen, die mir beim Wohnen wahnsinnig wichtig sind: erstens Licht, zweitens Weite und drittens die richtigen Menschen. Das ist auch der Unterschied zu meiner Arbeit, denn beim Texten meiner Lieder bin ich am liebsten ganz allein in irgendeinem finsteren Kämmerlein im Keller. Da kann ich keine Ablenkung gebrauchen. Die Melodie ist bald einmal gefunden. Aber der Text, der kann sich zahn ...

Ich hänge zwar an der Wohnung, aber eher nur so als Home-Base. Es reicht mir, zu wissen, dass es dieses Zentrum gibt. Und so verbringen wir den Sommer in unserem Häuschen in Groß-Enzersdorf, und im Winter bin ich meist ein paar Wochen in Mittel- und Südamerika. Ich nutze die Zeit zum Texten und Komponieren und trete nebenbei in Clubs und Hotels auf, was ich sehr lustig finde, weil ich dort ein gänzlich Unbekannter bin. Da tritt nicht der Mo auf, sondern einfach nur ein Mann mit einer guten Stimme, dem es gelingt, dass die Leute aus ihren Longdrinks auftauchen und gebannt auf die Bühne schauen. Das ist echt ein wirklich schönes Gefühl!

Mexiko, Kuba, Curaçao - in diesen Ländern fühle mich extrem wohl. Dort würde ich am liebsten wohnen. Ganz so weit werde ich es allerdings, fürchte ich, nicht schaffen. Etwas realistischer als die Karibik ist der Traum vom eigenen Häuschen im Südburgenland, den wir uns in den kommenden Jahren verwirklichen wollen." (18.5.2015)

Günter Mokesch, geboren 1959 in Hohenau an der March, ist Komponist, Texter und Sänger. Zu Beginn war er Teil der Hallucination Company, seit den Achtzigerjahren tritt er als Mo auf. Mit der Single "Send Me Roses" (1987) landete er in den Charts. Seit 1992 steht er immer wieder als Schauspieler und Musical-Darsteller auf der Bühne. Für seine Filmmusik zu "Beastie Girl" wurde er beim Internationalen Filmfestival Schanghai 1999 mit dem Preis für die beste Filmmusik ausgezeichnet. Am 21. Mai wird im Akzent-Theater seine neue Single präsentiert: "Let the whole world see!"

Link

mo-music.com

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