Vor der Budgetrede

Leserkommentar14. April 2014, 10:30
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Setzt die Regierung beim Budget die richtigen Prioritäten? Die Zweifel sind groß

"9 ½ Wochen" hieß der mit Erotik gewürzte Kinofilm mit Kim Basinger und Mickey Rourke aus dem Jahr 1986, der weltweit 100 Millionen Dollar einspielte. "2 ½ Wochen" mit Gabriele Heinisch-Hosek und Michael Spindelegger wird wohl eher ein Trauerschauspiel.

Jammern und Sudern

In 2 ½ Wochen – genau in 16 Tagen, am 29. April – wird dem Nationalrat die Budgetrede geboten. Eine Passage wird wohl auch den Einsparungen im Bildungsbereich gewidmet sein, aber ohne viel Wehklagen. "Ich bin dafür, dass wir raus aus dieser Jammerspirale kommen", erklärte BM Heinisch-Hosek bereits am vergangenen Samstag in einem Radiointerview. Irgendwie erinnert mich das an den berüchtigten "Gesudere"-Sager von Alfred Gusenbauer, den ein ORF-Team dokumentierte ("Und des wird heit wos Ord'ntliches in Donawitz oder des übliche Gesudere?").

"Entlastungen"

Die derzeitige Unterrichtsministerin richtete den Lehrern via Radio ihre Interpretation aus: "Hier werden wir bei den Überstunden ein bisschen schrauben. Denn wenn wir die ein oder andere Teilungszahl verändern, heißt das zum überwiegenden Teil, dass weniger Überstunden gemacht werden – ist ja auch eine Erleichterung für die Kolleginnen und Kollegen draußen in den Schulen." Die Pädagogen, die doppelt so viele Schüler unterrichten wie bisher, werden sich sehr entlastet fühlen – und die, die ihren Job verlieren, ganz besonders! Von den pädagogischen Auswirkungen ganz zu schweigen!

Große Schülergruppen

Zwei Schüler an einem Computer im Informatikunterricht hatten wir zuletzt in den 80er-Jahren. Schülergruppen mit über 30 Personen in Deutsch und Mathematik in der 9. Schulstufe in Oberstufenformen rauben in erster Linie den Schülern aus Haupt- und Neuen Mittelschulen die Chancen auf eine Matura. Die Vergrößerung von Schülergruppen im Labor- und Werkstättenunterricht stellt ein massives Sicherheitsrisiko dar.

Unsinnigkeiten

Das Verbot von Leistungsgruppen und der zwangsweise, ständige und gleichzeitige Einsatz von zwei Lehrern in einer Klasse der Neuen Mittelschule ist pädagogischer Unfug, wie auch die Standardergebnisse gezeigt haben. Die NMS-Schüler erreichen trotz eines deutlich höheren Personaleinsatzes nicht das Leistungsniveau der Hauptschüler. Statt den Schulen mehr Freiheit beim Mitteleinsatz zu gewähren, zwingt sie die Unterrichtsministerin weiterhin in dieses sinnwidrige Korsett, kürzt aber ein Drittel der zusätzlichen Lehrerstunden. Die Liste der Unsinnigkeiten ließe sich lange fortführen.

Und um wie viel Geld geht es eigentlich? Nach den Aussagen der letzten Tage sind es im Doppelbudget 2014 und 2015 117 Millionen Euro. Allein im Jahr 2013 hat die Hypo Alpe-Adria 2,7 Milliarden Euro in den Sand gesetzt. Anders ausgedrückt: In nicht einmal 2 ½ Wochen – genau in 16 Tagen – hat die Regierung in dieser Pleite-Bank soviel Geld verbrannt, wie sie nun der Bildung in zwei Jahren entzieht.

Bildung oder Banken? Man kann der Regierung nicht vorwerfen, sie setze keine Prioritäten. Ich bezweifle allerdings, dass es die richtigen sind. (Leserkommentar, Eckehard Quin, derStandard.at, 14.4.2014)

Eckehard Quin ist Vorsitzender der AHS-Lehrergewerkschaft.

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