Bush und Clinton: Die Sehnsucht der USA nach der Dynastie

14. April 2014, 05:35
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Jeb Bush, Bruder des Ex-Präsidenten, könnte bei der Präsidentschaftswahl 2016 gegen Hillary Clinton antreten

Das US-Präsidentschaftsduell liegt noch Jahre entfernt, doch schon zeichnen sich Kandidaten ab. Darunter auch Jeb Bush, Bruder von George W. Tritt er gegen Hillary Clinton an, könnte die Ära Obama im Rückblick nur wie ein Zwischenspiel dynastischer Politik scheinen.

Als Jeb Bush seine erste Gouverneurswahl verlor, 1994 in Florida, wurde er von seinem Vater so ausgiebig getröstet, dass sich sein älterer Bruder fast wie das fünfte Rad am Wagen fühlte. George W. Bush hatte am selben Abend, in Texas, seine erste Gouverneurswahl gewonnen, und als der Senior endlich auch für ihn ein Ohr hatte, soll er gefragt haben: "Warum tut dir Jeb leid? Wieso freust du dich nicht mit mir?"

Überliefert ist auch, dass Ronald Reagan, als er den Bush-Nachwuchs kennenlernte, nur Jeb eine steile Karriere zutraute. "George? George ist der Familienclown", urteilte damals Marvin, der jüngste Bruder. So gesehen geriet die Planung ziemlich durcheinander, als der Ältere ins Oval Office einzog und der Jüngere in der zweiten Reihe steckenblieb.

Jeb wurde dann doch gewählt: 1998 und 2002 zum Gouverneur Floridas. Nach dem Ausscheiden aus dem Amt ging er auf Tauchstation. Der Souverän bestrafte die Republikaner damals für die Fehler seines Bruders, für den Irakkrieg, das Krisenmanagement nach dem Hurrikan Katrina, das Anhäufen von Schulden.

Peinliche Verwandte

2008, beim Duell gegen Obama, wusste Jeb, dass er bloß sein Pulver verschießen würde. Und auch vier Jahre später blickten die Konservativen auf den Bush-Clan noch immer wie auf eine Ansammlung peinlicher Verwandter. Doch langsam verblasst die Erinnerung an George W., sie wird überlagert von der Ernüchterung über Obama, der, überhäuft mit Vorschusslorbeeren, gebremst durch einen blockierten Kongress, Hoffnungen enttäuschte.

Vom Naturell her ist Jeb eher ein abwartender Taktierer, mehr an seinen behutsam abwägenden Vater erinnernd als an den Bruder. Ob er sich bewerbe, wolle er bis zum Jahresende entscheiden, sagte er neulich, als die Familie feierte, dass vor 25 Jahren erstmals ein Bush Präsident wurde. Dass ein derart vorsichtiger Mann überhaupt von Kampagnen spricht, klingt nach der Ankündigung einer Kandidatur. Und damit nach einem Duell der Dynastien.

Keine verpönten Erbhöfe

Bei den Demokraten scheint Hillary Clinton gesetzt, wie bereits 2008, bevor der Senkrechtstarter Obama ihre Rechnung durchkreuzte. Ein neuer Obama ist nicht in Sicht, die Favoritin konkurrenzlos. Auf republikanischer Seite dürfte sich ein dichteres Feld drängen. Der Libertäre Rand Paul macht sich Außenseiter-Hoffnungen, der Texaner Ted Cruz symbolisiert die Tea Party. Rob Portman, Senator aus Ohio, steht für den Mainstream, wie Chris Christie, der wortgewaltige Gouverneur New Jerseys, der allerdings zuletzt mit Skandalen kämpfte.

Dynastien, Erbhöfe - eigentlich ist so etwas verpönt in der amerikanischen Republik, die in rebellischem Aufbegehren gegen die britische Krone entstand. In der Politik ist das allerdings graue Theorie: Seit dem Vater-Sohn-Paar John Adams (1797-1801) und John Quincy Adams (1825-1829) gab es immer wieder Familiendynastien, aber nie so prägnant wie heute. Von Jänner 1989 bis Jänner 2009 regierte entweder ein Bush oder ein Clinton. Gelingt es Jeb oder Hillary anzuknüpfen, wird die Ära Obama im Nachhinein nur als kurze Ausnahme erscheinen.

Jeb Bush also. Verheiratet mit Columba, einer Mexikanerin. Einst Student der Lateinamerika-Wissenschaften, spricht fließend Spanisch. Allein mit diesen Stichpunkten soll er so etwas sein wie die Antwort auf einen Trend, den die Republikaner zuletzt gründlich verschliefen. Romney stieß die große Wählergruppe der Hispanics mit Gerede von der Selbstdeportation illegal eingewanderter Lateinamerikaner zuletzt 2008 noch gründlich vor den Kopf.

Doch dann wäre da noch die Matriarchin, Barbara Bush - 88, aber scharfzüngig wie eh und je. "Zwei Präsidenten namens Bush, das reicht", sagte sie im TV. Und überhaupt, die Kennedys, die Clintons, die Bushs, sie alle müssten auch mal anderen Familien eine Chance geben, "ich weigere mich anzuerkennen, dass dieses großartige Land nicht noch mehr wunderbare Leute heranzieht". (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 14.4.2014)

  • Jeb Bush trat nach seiner Zeit als Gouverneur von Florida 2007 in den Hintergrund. Nun soll er ein Comeback planen.
    foto: ap/tony gutierrez

    Jeb Bush trat nach seiner Zeit als Gouverneur von Florida 2007 in den Hintergrund. Nun soll er ein Comeback planen.

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