Kleinparteien bei EU-Wahl: Zwidere Zwerge

Kommentar13. April 2014, 18:57
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Die ersten Auftritte der antretenden Kleinparteien waren obskur

Wir haben keine Chance, aber die werden wir nützen: Die bei der EU-Wahl antretenden Kleinparteien haben dieses Motto nicht beherzigt. Ihre "Zwergenrunde" im ORF geriet zum Rufmord in eigener Sache.

Der Erste, Martin Ehrenhauser, startete im Tonfall eines Predigers, der sich von der absoluten Wahrheit beseelt wähnt. In die Not, seine Anklage gegen Bankenrettung und anderes Übel durchargumentieren zu müssen, begab sich der Ex-Mitstreiter von Hans-Peter Martin sicherheitshalber gleich gar nicht - lieber verließ er flugs das ORF-Studio.

Der Zweite, Ewald Stadler, hat auch über 200 Jahre nach der Französischen Revolution die Trennung von Kirche und Staat noch nicht verwunden. Unbeirrbar - um nicht zu sagen: besessen - geißelt er die Unchristlichkeit der EU, um sich dann beim "Freikirchler" David Alaba anzubiedern.

Der Dritte, Robert Marschall, träumt vom EU-Austritt. Passend zu den Abschottungsgelüsten: Im Internet bewertete er Schwimmbäder nach In- und Ausländeranteil.

Vom Obskuranten-Eck abgehoben hat sich nur Angelika Werthmann, auf der aber die eigene Vorgeschichte lastet. Wie "liberal" kann jemand wirklich sein, der nach einem gescheiterten Annäherungsversuch an die Neos ungeniert aufs BZÖ ausweicht und Jörg Haider als "Vordenker" lobt?

Die Vier-Prozent-Hürde für Kleinparteien müsse fallen, fordert Kandidat Marschall. Nach den ersten Auftritten drängt sich als Antwort auf: bloß nicht! (Gerald John, DER STANDARD, 14.4.2014)

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