Oase der Albernheiten im "Tatort" aus Münster

Ansichtssache13. April 2014, 17:21
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Die gute Nachricht ist, die Münsteraner Tatort-Kommissare sind nicht mehr so entsetzlich albern. Gut, einmal bleibt Kommissar Thiel in "Der Hammer" mit seinem Gürtel am Türgriff hängen, was beim bewaffneten Einsatz nicht unbedingt eine gute Figur macht.

foto: orf/ard/martin menke

Rechtsmediziner Boerne fährt eine lächerliche weiße Luxuskarosse - abgesehen davon verhalten sich die beiden für ihre Maßstäbe aber nahezu unauffällig. Das Dumme ist nur, und das ist jetzt die schlechte Nachricht: Was Autor und Regisseur Lars Kraume hier erzählt, ist dermaßen überladen, dass es irgendwann doch nur noch albern ist.

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Die Eckpunkte: ein Erlebnisbad namens Waikikioase, das in Wahrheit ein Großbordell werden soll und an dessen Bau viele korrupte Menschen beteiligt sind. Eine Reihe von Stuttgart-21-Epigonen, darunter Thiels Vater, die sich an Bagger ketten und grundsätzlich dagegen sind. Dann sind da noch ein Bauunternehmer und ein Zuhälter, die mittels Säure (aus einer Wasserpistole, wie sich herausstellt) und eines speziellen Hammers, mit dem Forstwirte normalerweise Holz nummerieren, getötet wurden.

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Der dazugehörige Mörder tritt im Do-it-yourself-Superheldenkostüm auf und scheint in einem Anfall von fehlgeleiteter Selbstwahrnehmung auch zu glauben, ein solcher zu sein.

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Lars Kraume, das muss man wissen, hat einige sehr bemerkenswerte Tatorte gemacht. Er kann Fälle so fein austarieren, dass die Handlung nicht über die Stränge und den ganzen Fall erschlägt. Hier scheint er so damit beschäftigt gewesen zu sein, die verhaltensauffälligen Ermittler in den Griff zu kriegen, dass ihm der Rest entglitten ist. Vielleicht beim nächsten Mal. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 14.4.2014)

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foto: orf/ard/martin menke

"Die scheinbare Unangestrengheit, mit der Kraume die humoristische Entfesselung probt, und die nonchalante Detailversessenheit in Bezug auf die Figuren - das erinnert in den besten Momenten an den höheren Klamauk der Coen-Brüder", urteilt Christian Buß im "Spiegel".

"Prahl und Liefers sind erwartbar in ihrer Frotzelei, aber auch unterhaltsam. Wortwitz und Dialoge stimmen. Boerne bringt außerdem den selten gebrauchten Begriff Vigilant in die Debatte ein", schreibt Holger Gertz in der "Süddeutschen Zeitung", "Seitenhiebe gegen westfälische Gutmenschen und andere Wollsockenträger sind immer angebracht, man kriegt die anderthalb Stunden also ganz gut rum. Aber wer das Ganze spannend oder gruselig findet, der wäre auch imstande, Flöhe husten zu hören."

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