Mary Barra soll Steuer bei GM herumreißen

13. April 2014, 16:42
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Mary Barra soll Image und Fehler bei General Motors korrigieren

Als Mary Barra die Leitung von General Motors (GM) übernahm, klang der Mann, den sie ablöste, stolz wie ein Vater. "Es ist, als hätte die eigene Tochter das College gemeistert", sagte Dan Akerson, ihr Mentor.

Die erste Frau an der Spitze des Konzerns sollte helfen, das angestaubte Image des wackeligen Riesen unter den Big Three aus Detroit zu modernisieren. Kaum hatte Barra im Jänner den Posten übernommen, wurde sie von Michelle Obama in die Ehrenloge geholt, in der alljährlich bei der Rede zur Lage der Nation verdiente, im Idealfall richtungsweisende, Zeitgenossen sitzen dürfen.

Nun muss die 52-Jährige zum ersten Mal durchs Fegefeuer. Der Kongress nahm sie in die Zange, weil defekte Zündschlösser in 13 Fällen zum Tode führten. Erst lehnten es Manager ab, das störanfällige Zündschloss zu ersetzen, weil dies pro Auto 90 Cent mehr gekostet hätte. Dann ließ GM fast zehn Jahre verstreichen, ehe es 2,6 Millionen Fahrzeuge zurückrief.

"Wir hatten eher eine Kostenkultur, nun haben wir eher eine Kundenkultur", sagte Barra mit Verweis auf hausinterne Ermittlungen, deren Ergebnisse abzuwarten seien. Joe Barton, ein Republikaner aus Texas, hält ihr vor, die Leute mit Fachchinesisch zu verwirren. Aber das glatte Parkett parlamentarischer Anhörungen - 2008 hatte sich ihr Vorvorgänger Rick Wagoner bis auf die Knochen blamiert - bietet auch Chancen zur Profilierung.

Die zweifache Mutter versteht sich als Symbol einer Richtungsänderung, bei der die Güte des Produkts vor allzu engem Denken in Zahlenkolonnen rangiert. Nach Finanzexperten an der GM-Spitze ist sie nun die klassische Ingenieurin, das klassische GM-"Eigengewächs".

Aufgewachsen ist Barra im Industriegürtel um Detroit, wo ihr Vater bei Pontiac an der Presse stand. Am GM Institute, der heutigen Kettering University, studierte sie Elektrotechnik, bevor sie mit GM-Stipendium im kalifornischen Stanford ihren Master in Betriebswirtschaft machte. Ihre erste Bewährungsprobe bestand Barra 1998 in Flint, als die GM-Arbeiter 54 Tage lang streikten und sie beim Schlichten half. Nachdem die Regierung Obamas den maroden Konzern mit Milliardenspritzen vor der Pleite bewahrt hatte, stieg sie zur Personalchefin auf. 2011 übertrug ihr Akerson die Verantwortung für globale Produktentwicklung. In Fachdebatten, heißt es, lässt sie gern einfließen, was ihre Kinder von diesem oder jenem Auto halten - Bodenständigkeit à la Michigan. (Frank Herrmann, DER STANDARD, 14.4.2014)

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    foto: apa/reynolds

    Mary Barra

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