Multikulturelle "Salzburg Passagen"

22. August 2003, 20:10
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In Gerhard E. Winklers "Twins'n'Towers" trifft arabische auf europäische Musik

Salzburg - Ein arabischer Musiker an der Oud (der Gitarre ähnliches Saiteninstrument, Anm.), ein Europäer mit einer elektrischen Violine, ein Computer, ein 14-köpfiges Ensemble und ein Klangregisseur. Das sind die Ingredienzien, aus denen der Salzburger Komponist Gerhard E. Winkler sein neuestes Werk "Twins'n'Towers" gebraut hat, das am Samstag in der Reihe "Salzburg Passagen" bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt werden soll. In dieser Partitur treffen nicht nur europäische auf arabische Klänge und Rhythmen. Das Besondere dabei sind die Wahlmöglichkeiten der Musiker, die den Verlauf dieses vermutlich rund 45-minütigen Stückes inhaltlich entscheidend verändern können.

Auf dem Bildschirm des Oud-Spielers erscheinen Noten, die dieser zu spielen hat. Plötzlich lässt das von Winkler konzipierte Programm dem Spieler die Möglichkeit, sich zwischen mehreren Varianten des Textes zu entscheiden und eine musikalische Brücke zu betreten, was zeitgleich dem Geiger angeboten wird. Entscheidet sich auch dieser für das tonale Angebot des Oud-Spielers, dann ist die Brücke zwischen Ost und West geschlagen. Musikalisch schickt der Computer die beiden dann in einen ihrer tonalen Entscheidung entsprechenden Raum und versorgt sie mit dem dazugehörigen Notenmaterial. Doch auch der Geiger kann von sich aus initiativ werden. Je nach Lage, in der er eine Figur spielt, verändert sich das Tempo der Noten auf dem Schirm des Oudspielers. Jetzt ist es an diesem, das Angebot anzunehmen oder eben nicht. In jedem Fall beeinflusst die Entscheidung der beiden Solisten den Fortgang des Werkes.

Alles ist im Fluss

"Das Ensemble ist den verschiedenen Optionen der Solisten zugeordnet, manchen schickt der Computer langsame, anderen schnelle Noten, niemand weiß, wann er selbst zum Solisten wird, alles ist im Fluss, manchmal grau, diffus und zersplittert, manchmal dicht, klar und transparent", erläuterte der Komponist. "Natürlich, seit ich vor zehn Jahren damit begonnen habe, mich mit variablen Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb der notierten Partituren zu beschäftigen, kämpfe ich damit, dass diese theoretischen Konzepte akustisch nachvollziehbar werden. Aber ich glaube, mit 'Twins'n'Towers' liege ich goldrichtig", sagte Winkler.

"Wie der Titel unschwer erraten lässt, hat 'Twins'n'Towers' eine hochpolitische Komponente. Als Musiker kann ich zu den geopolitischen Ereignissen des 11. September und seinen Folgen nicht schweigen. Mit meiner Musik versuche ich, dem Unterschied der Kulturen gerecht zu werden und zugleich die Brücken zu zeigen, über die der Austausch, die Kommunikation und die Gemeinsamkeit entstehen können", sagte Winkler vor der Uraufführung. (APA)

Neben dieser Uraufführung durch das "Österreichische Ensemble für neue Musik" sind bei dieser "Passagen-Veranstaltung" mit dem Titel "Austrian Night" die digitalen Improvisationskonzepte der Gruppen "efzeg live" und "Polwechsel" zu hören. Das Konzert beginnt am 23. August um 19.30 Uhr im republic.

Karten unter 0662 / 8045-500
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