Inguschetien: Geiselnahme in Poliklinik

22. August 2003, 16:41
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Angeblich tschetschenische Sicherheitsbeamte beteiligt

Wladikawkas - Dutzende Vermummte sind in eine Poliklinik an der Grenze zu Tschetschenien eingedrungen und haben fünf Patienten als Geiseln gekommen. Der Überfall ereignete sich in Sunscha in Inguschetien, wie das Innenministerium dieser russischen Region am Freitag mitteilte. Einem Beamten zufolge könnte es sich bei den Angreifern um Sicherheitsbeamte des von Moskau eingesetzten Präsidenten Tschetscheniens, Achmad Kadyrow, handeln. Dessen Sprecher wies die Vorwürfe entschieden zurück.

Tschetschenische Flüchtlinge in Inguschetien haben den von Kadyrows Sohn Ramsan geleiteten Sicherheitsdienst schon des öfteren beschuldigt, in Raubüberfälle, Morde und Entführungen verwickelt zu sein. Der Pressedienst des amtierenden Präsidenten erklärte indessen, mit Anschuldigungen dieser Art wolle man nur die Chancen Kadyrows bei der bevorstehenden Präsidentenwahl mindern.

Für die Wahl am 5. Oktober haben sich insgesamt zehn Bewerber registrieren lassen. Nach Ansicht der russischen Regierung stellt die Abstimmung einen wichtigen Schritt zum Frieden in der abtrünnigen Kaukasusrepublik dar. Kritiker halten eine Beilegung des Tschetschenien-Konflikts jedoch nur in Verhandlungen mit den Rebellenführern für möglich, was der Kreml aber ablehnt.

Unterdessen riefen 28 Nichtregierungsorganisationen in Tschetschenien zum Boykott der Wahl auf. Mit einem fairen Verlauf der Abstimmung sei nicht zu rechnen, hieß es zur Begründung. (APA/AP)

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