Kärntner Zollbeamter rauchte Schmuggelzigaretten selbst

25. August 2003, 10:48
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Affäre weitet sich aus

Klagenfurt - Ein 34-jähriger Kärntner Zollbeamter muss sich am Montag (25. August, Beginn 13.00 Uhr, Saal 283) am Klagenfurter Landesgericht wegen Amtsmissbrauchs verantworten. Der Mann war mit der Verbrennung von beschlagnahmten Zigaretten beauftragt gewesen, soll diese jedoch teils selbst geraucht, teils an Freunde und Bekannte weitergegeben haben. Der Mann ist geständig.

Von Anfang 1999 bis Juli 2002 war es die Aufgabe des Beschuldigten, die Verbrennung beschlagnahmter Schmuggel-Zigaretten zu überwachen. Die illegale Ware sollte in einer Holzfaserplatten-Fabrik in St.Veit/Glan vernichtet werden. Laut Anklage nahm der Beamte seine Aufgabe aber nicht sonderlich ernst. Immer wieder soll er Zigarettenstangen für den Eigengebrauch und für Freunde abgezweigt haben.

Verfahren gegen mutmaßliche Komplizen droht

Acht Arbeiter der Fabrik, die den Zollwachebeamten beobachteten, zogen ihre eigene Schlussfolgerung aus dessen Verhalten und dürften sich ebenfalls mit Gratis-Zigaretten eingedeckt haben. Zu Gute kam ihnen dabei laut Anklage, dass der Klagenfurter Beamte die Verbrennungen nicht ordnungsgemäß überwachte, sondern die Rauchwaren oft nur ablieferte und sofort wieder ging. Rund 1.500 Stangen Zigaretten sollen so in den Besitz der acht Arbeiter gelangt sein, die sich in einem eigenen Verfahren verantworten werden müssen. Der Kärntner Zigaretten-Affäre zieht damit immer weitere Kreise.

Am Donnerstag war ein Verfahren gegen zwei mutmaßliche Komplizen des Angeklagten - ebenfalls Beamte der Zollwache - geplatzt, weil die Verteidigung auf Grund der Befangenheit der Schöffen (in den Kärntner Medien wurde im Vorfeld des Prozesses darüber berichtet) eine Delegation des Verfahrens nach Innsbruck beantragt hat. Darüber muss das Oberlandesgericht Graz entscheiden. (APA)

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