Bettschikanen

28. August 2003, 12:27
posten
Es gibt kein Ding, das wir so oft verwenden und so selten thematisieren wie das Bett. Meist kommt es nur durch diese 0,05 Prozent randzweckdienlicher Benützung ins Gerede, wenn es darum geht, wer mit wem drinnen war, wobei hier obendrein sehr schlampig mit der Wahrheit umgegangen wird, weil viele dieser so genannten Bettgeschichten auf dem Teppich stattfinden oder ins Bad oder in die Kammer ausgelagert werden.

Bei Betten unterscheidet man, wie im Fußball, den Heimvorteil von der Mühsal der Auswärtsbegegnung. Das Lebensalter eines Menschen ließe sich grob anhand der mit zehn multiplizierten Anzahl jener Stunden pro Nacht berechnen, die man in einem fremden Bett unfreiwillig wach verbringt, weil der Geist zwar schlafwillig ist, aber der Knochen sensibel. Eine der brutalsten Schlafgelegenheiten ist das südeuropäische Hoteldoppelbett. Seine Schikanen: ein zu dünnes Leintuch für zwei. Darüber eine zu dicke Decke für zwei. Und: der adriatisch/iberische Knackwurst- oder Ciabatta-Polster, Genickbrecher der Nationen Italien, Griechenland, Spanien und Portugal. Eine Nacht als Bauchschläfer mit dem Kopf auf ihm - und ein Jahr physiotherapeutisches Training ist zunichte gemacht. (Der Standard, Printausgabe, 25.8.2003)

Von Daniel Glattauer
  • Artikelbild
Share if you care.