Die gestylten neuen Lichter der Großstadt

21. August 2003, 21:51
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Wer schaut schon tagsüber hinauf, wo nachts das Licht herkommt? Dabei gäbe es dort oben spacige Neuerungen zu sehen - etwa an UFOs gemahnende neue Lampen ...

Die jüngste Innovation in der 315 Jahre andauernden Wiener Beleuchtungsgeschichte.

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Das Licht kommt von oben – da schaut man meist nicht zurück. Vor allem dann nicht, wenn die Lichtquelle gerade nicht aktiv und also versiegt ist.

Dann aber, aus irgendeiner Ursache, wegen irgendeines Geräusches, schaut man doch einmal hinauf - und entdeckt sie. Noch nie gesehene Beleuchtungskörper, "wie UFOs im Landeanflug", assoziierte Christian zu den neuen, silbrigen Straßenlampen in der Burggasse. Und da er ein vom Optischen geleiteter Mensch ist, schaute er gleich öfter gen Himmel - und entdeckte sie prompt auch in der Reinprechtsdorfer Straße. Aber in rot. "Diese unbekannten Flugobjekte kommen vom roten Mars, grinst Christian.

Walter Springs zieht als oberster Beleuchter von Wien andere Vergleiche: Spricht von "schiffs- oder fischartigen Leuchten". Der Leiter der MA33 "öffentliche Beleuchtung" weiß sofort, worum es geht: "Contur" heißt diese Straßenlampe und die wird seit etwa einem Jahr eingesetzt. Diese Lichter der Großstadt erhellen mit zweimal 70 Watt Natriumhochdruckdampf-Lampen die Nacht.

Die Röte der Reinprechtsdorfer Lampen ist von Springs ebenfalls schnell erklärt: "Wenn es geht, kommen wir Architektenwünschen natürlich gerne nach. In dieser Straße gab es diesen Wunsch, da auch andere Stadtmöbel wie Bänke rot sind und das war mit relativ geringem Mehraufwand möglich.“

Licht per Resolution

Die neueste Wendung eines langen Weges, der vor 315 Jahren begann: "1688 wurde die öffentliche Beleuchtung von Straßen per kaiserlicher Resolution verfügt“, weiß ein Illuminationsexperte wie Springs aus dem Stand. Damals kam statt Natrium noch Tierfett zum Einsatz – der erste Ver such, die städtische Nacht zum Tag zu machen war in Wien in der Dorotheergasse durchgeführt worden: Mit 17 Laternen, die von Talglichtern erhellt wurden. Zum Ver gleich: Paris war 130 Jahre früher als Wien dran: Dort wurde bereits 1558 zum ersten Mal öffentlich illuminiert.

"Illuminationsanstalt"

Doch zurück zur Erhellung Wiens: 1776 führte Joseph von Sonnenfels als Direktor der "Illuminationsanstalt“ eine neue Öllampe ein, die „Stadtglocke“ genannt wurde – diese bestand aus birnenförmigem weißen Glas mit kleinem Blechdach und Kamin. Weiters bestellte Sonnenfels eine Truppe von „Lampenknechten“, die die Laternen putzen, füllen und zur rechten Zeit anzünden mussten. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde dann langsam auf Gasbeleuchtung umgestellt – 1828 errichtete der Apotheker und Chemiker Georg Pfendler in der Roßau eine "Apothekerhalle“ mit angeschlossenem "Gaserzeugungs-Etablissement“.

Am 14. Jänner 1882 dann der erste Test mit elektrischen Bogenlampen auf dem Graben und Teilen des Stephansplatzes. Später ging man auch dazu über, nicht nur von oben nach unten, sondern auch umgekehrt zu erhellen: Das erste Gebäude, das 1952 mit einer "Anstrahlungsanlage“ versehen wurde, war natürlich das Parlament. Seither fand eine stete Entwicklung nach der Devise mehr Licht – mit weniger Energieeinsatz statt. Am 27. November 1962 wurde übrigens die letzte Gaslampe in der Hietzinger Sauraugasse 28 feierlich gelöscht.

Auch wenn die Passanten unten die Novitäten der Beleuchtung oben nur indirekt bemerken, wiel ’s halt hell wird – Springs weiß: „Mit Licht und Farbe in der Stadt kann man schon gestalten.“ (Roman Freihsl, DER STANDARD; Printausgabe, 22.8.2003)

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