Don Jesús zeigt den Seinen den Herrn

23. August 2003, 20:59
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Jesús Gil y Gil, Exbürgermeister des Nobelbadeortes Marbella.

Wenn sich der Exbürgermeister des Nobelbadeorts Marbella, Jesús Gil y Gil, in Rage redet, brennen bei ihm mit Sicherheit die Sicherungen durch. So geschehen bei einer TV-Konfrontation mit seinem ehemaligen Adlatus Julián Munoz, dem Nachfolger im Amt. Gil und Munoz beschuldigten einander derart überzeugend der Korruption und der Unterschlagung, dass die Staatsanwaltschaft ein Protokoll der Sendung anforderte und umgehend zur Tat schritt. Gil hat nun einen Prozess mehr am Hals, und auch Munoz stehen einige peinliche Fragen ins Haus.

Zuvor konnte aber Gil seinen unbotmäßigen Exvasallen noch aus dem Rathaus in Marbella drängen, indem er drei oppositionelle Abgeordnete schlicht kaufte und so einen Misstrauensantrag gegen seinen eigenen Mann durchbrachte. Munoz wurde durch die Hausfrau Marisol Yagüe ersetzt, die einem Choleriker wie Gil sicher nicht widerspricht. Der Vater von vier Söhnen hatte wieder einmal gezeigt, wer der Herr im Hause Marbella ist.

Gil, ein für seine exzentrischen Auftritte bekannter Baulöwe und Expräsident des Fußballvereins Atletico Madrid, musste bereits 2002 wegen Veruntreuung öffentlicher Gelder seinen Bürgermeistersessel in Marbella räumen, dem Badeort der Scheichs und Schönen an der spanischen Costa del Sol. Gil beklagte damals eine himmelschreiende Verschwörung gegen ihn und machte Regierungschef José María Aznar als Drahtzieher ausfindig.

Auch das Gefängnis kennt er von innen - was bei rund 80 Prozessen, die gegen ihn geführt wurden, niemanden wundern darf. Als ein Haus, das Don Jesús besonders billig gebaut hatte, bei der Eröffnung einstürzte und 58 Menschen starben, ging Gil das erste Mal hinter Gitter. Damals begnadigte ihn Diktator General Franco und Gil blieb einer seiner großen Bewunderer.

Das letzte Mal saß Gil nur eine Woche, ehe er gegen die mickrige Kaution von 700.000 Euro frei ging. Aber es waren wunderbare Tage hinter den hohen Mauern. "Hier gibt es noch Menschlichkeit", schwärmte Gil, die Aufseher waren "fabelhaft", und aus den übrigen Zellen habe er die Rufe seiner Fans gehört: "Viva Marbella, viva Atletico, viva Gil". Ja, da drinnen unter Brüdern schätzen sie ihn noch - aber draußen ist die Welt böse.

Öffentliche Ämter sind ihm für 28 Jahre verboten, also voraussichtlich für den Rest seines Lebens - der Angeklagte ist schon 70 Jahre alt. Die Justiz warf ihm vor, 30 Millionen Euro veruntreut zu haben, wobei die Untersuchung auch dadurch erschwert wurde, dass über Nacht stapelweise Belastungsmaterial aus seinem Büro verschwand. Auch eine Partei leistet sich Gil. Die heißt natürlich GIL (Grupo Indepediente Liberal) und ist weder unabhängig noch liberal, sondern rechtspopulistisch. (Gerhard Plott/DER STANDARD, Printausgabe, 22.8.2003)

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