Rekordhitze fordert Tribut in den Städten

27. August 2003, 12:31
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In Graz starben im Juli deutlich mehr Menschen als im Jahr zuvor - In Wien hat die Zahl der Kreislaufzusammenbrüche drastisch zugenommen

Die Hitze fordert auch in Österreich Opfer: In Graz starben im Juli deutlich mehr Menschen als im Jahr zuvor. In Wien ist dagegen kein Anstieg bei den Sterbefällen zu bemerken, die Zahl der Kreislaufzusammenbrüche hat allerdings drastisch zugenommen.

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In Teilen Österreichs hat die Hitzeperiode der vergangenen Wochen zu einem Anstieg der Sterberate geführt. In Graz waren im Juli um 13 Prozent mehr Tote als im Vorjahr zu beklagen. Die Lage ist aber regional unterschiedlich, in Nord- und Ostösterreich war es zwar auch heiß, mehr Tote hat es aber nicht gegeben. Ihren Tribut forderte die Hitze dennoch.

"Wir haben sicher einen Anstieg der Sterbefälle, besonders zu Anfang dieser Woche sind es auffällig mehr geworden", erklärt Edith Kern, Leiterin des Sterbebuches beim Standesamt der steirischen Landeshauptstadt. "Im Juli hatten wir 314 Todesfälle, im Jahr zuvor waren es nur 279", führt die Beamtin weiter aus.

Auch in Innsbruck konstatiert Standesamtleiter Georg Schartner einen Anstieg. "Es ist ein bisserl mehr gewesen, aber nicht sprunghaft gestiegen", meint er. Mit 247 Menschen starben im heurigen Juni und Juli um knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahr. "Es gibt aber zwei-, dreimal im Jahr Phasen, wo es ansteigt, man kann nicht immer genau sagen, was die Ursache ist", gibt sich Schartner vorsichtig.

Tatsächlich zeigt eine Auswertung der Zentralanstalt für Meteorologie, dass gerade im Westen und Süden der Sommer rekordverdächtig heiß war, gemessen an Tagen mit über 30 Grad. Bisher lag die Bestmarke in Graz bei 31 derartigen Tagen, heuer waren es 40. In Innsbruck kletterte die Kennzahl von 22 auf 33.

Wien: 33-mal über die 30-Grad-Marke

Auch in Wien stieg die Quecksilbersäule heuer 33-mal über die 30-Grad-Marke, die Wiener scheinen aber widerstandsfähiger zu sein. Im Juli gab es sogar fünf Tote weniger als im Jahr 2002, von Jänner bis August sind es nur um sieben Tote mehr, heißt es bei der Wiener Rettung. "Die klassische Diagnose Hitzeschlag hat es überhaupt nicht gegeben", konstatiert Chefarzt Alfred Kaff.

Er glaubt auch nicht an die kolportierte Zahl von über 10.000 Hitzetoten in Frankreich. "Was dort gemacht wird ist ein politisches Spiel", glaubt er, denn der ursächliche Zusammenhang zwischen Temperatur und Ableben sei nicht so leicht festzustellen. "Auch in anderen Teilen Europas war es extrem heiß, von dort kommen auch keine Meldungen", gibt der Mediziner zu bedenken.

Heiß-kalt gefährlicher

"Überhaupt ist ein rascher Übergang von heiß zu kalt, wie er im Winter nach einem Föhneinbruch passieren kann, gefährlicher", ist Kaff überzeugt. Der Grund: Das Herz werde dabei durch die Umstellung stärker belastet, es kann häufiger zu Infarkten kommen.

Gänzlich unbeeindruckt blieben die Bewohner der Bundeshauptstadt vom Sommer allerdings auch nicht. Die Hitze griff hier die Gesundheit ebenfalls an: 837-mal musste die Rettung in den vergangenen beiden Monaten ausrücken, um Patienten mit kollabiertem Kreislauf zu behandeln - eine Steigerung um 32 Prozent zum Jahr davor. (Andreas Grünewald, Michael Möseneder/DER STANDARD; Printausgabe, 22.8.2003)

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    Auch die Fiaker schwitzen ...

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