Häupl: Sacher-Ausbau ist "kein Problem"

28. August 2003, 12:56
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Im Gegensatz zum Planungsstadtrat hält Wiener Bürgermeister geplanten Dachausbau des Hotels Sacher überhaupt nicht für problematisch

Wien - "Beim Sacher-Ausbau sehe ich nicht wirklich ein Problem", erklärt nun Wiens Bürgermeister Michael Häupl im Standard-Gespräch. Mehr noch: "Wir haben Dachbodenausbauten immer propagiert", betont Häupl. "Das heißt aber nicht, dass ich jeden einzelnen Vorschlag goutiere. Da gibt es halt schöne und hässliche, und es ist Aufgabe der für die Stadtgestaltung zuständigen MA 19, sich die Projekte anzuschauen und zu beurteilen."

Dass im Unesco-geschützten Welterbe der Wiener Innenstadt künftig Dachausbauten restriktiv gehandhabt würden, "habe ich nie gesagt", korrigiert der Bürgermeister, "ich habe gesagt, wir werden von Fall zu Fall entscheiden".

Schicker: Drei Geschosse keine gute Idee

Zum Vergleich: SP-Planungsstadt Rudolf Schicker hatte Anfang August im Standard-Streitgespräch über das Welterbe Wien erklärt, "das Sacher dreigeschossig auszubauen ist keine gescheite Idee, da brauchen wir nicht reden". Zu Dachausbauten hatte Schicker gesagt, die Stadt werde versuchen "bei künftigen Widmungen zu drücken, Überhöhungen nicht zulassen. Aber: Ausnahme muss möglich sein." Gleichzeitig wurde die Verschärfung der Bauordnung angekündigt.

Der Wiener Planungsdirektor Arnold Klotz hatte im Standard im Zuge der Diskussion über den Schutz des Welterbes ebenfalls erklärt, dass die Stadt künftig bei der Dachlandschaft "besondere Obsorge walten lassen" wolle.

Wie berichtet, plant das Hotel Sacher, den Gebäudekomplex hinter der Oper um drei Geschosse aufzustocken, wovon nach außen dem Vernehmen nach nur zwei sichtbar sein werden. Der Ausbau soll oben am Gebäude nach hinten versetzt sein und unter anderem Platz schaffen für Luxussuiten und einen Fitnessraum.

Wie genau der Plan für diesen Ausbau aussieht, will Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler am Donnerstag öffentlich machen. Bisher wurden Auskünfte dazu verwehrt, im Rathaus hieß es, man gebe keine Auskunft zum Genehmigungsverfahren.

Nicht denkmalgeschützt

Auch nebenan, in der Goethestraße, wird gebaut. Luxuriöse Dachwohnungen unter Glaskuppeln sind bald fertig und "mit dem Denkmalschutz abgesprochen", betont man bei "Art for Art", der Errichtergesellschaft.

Gleichzeitig mit dem Bekanntwerden der Pläne hat man beim Denkmalamt bedauert, dass das Sacher nämlich nicht denkmalgeschützt sei. Daher habe man auch keine Auflagen für den Ausbau stellen können, sagte Landeskonservatorin Barbara Neubauer. Seitens der Gesellschaft für Denkmalpflege wurde überhaupt ein - nach Ansicht von Experten unrealistischer - Baustopp für die Innenstadt gefordert.

Des Bürgermeisters Kommentar zu dieser Diskussion: "Welterbe kann doch nicht heißen, dass der Eissturz über die Stadt kommt und alles im Welterbemuseum einfriert." (Roman Freihsl Andrea, Waldbrunner/DER STANDARD, Printausgabe, 27.8.2003)

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    Das Hotel Sacher in Wien

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    Das Dach und die Fassade des Hotel Sacher in der Wiener Innenstadt, aufgenommen vom Dach der Staatsoper.

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