Strukturelle Bedingungen als Faktor

14. Oktober 2003, 20:03
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Vizepräsident des Europäischen Forum Alpbach sieht großen Auf- und Umbruch des tertiären Bildungssektors in Österreich

Alpbach - Der tertiäre Bildungssektor in Österreich erlebt nach Ansicht des Vizepräsidenten des Europäischen Forum Alpbach, Erich Gornik, den größten Auf- und Umbruch seit dem Zweiten Weltkrieg. Die neuen Rahmenbedingungen - Stichwort: Universitätsgesetz 2002 - würden einen Aufbruch zu einer neuen Universität ermöglichen, die sich einerseits als Dienstleister für eine hoch qualifizierte Ausbildung und andererseits als Forschungsinstitution und Innovationsschmiede verstehen und einrichten könne, erklärte Gornik Donnerstag Nachmittag bei der Eröffnung der diesjährigen Alpbacher Technologiegespräche, die sich bis Samstag dem Thema "Technologien im Auf- und Umbruch" widmen.

In Ländern wie Deutschland, Schweiz oder Finnland gebe es eine ganze Palette von Strukturen, die das Innovationspotenzial der jungen Menschen auffangen und zum Wohl der Gesellschaft umsetzen würden. Eine entscheidende Ressource seien die "schöpferischen Köpfe", die einzige natürliche Ressource jedes Landes. Die Zahl dieser Köpfe werde aber auf Grund der demographischen Entwicklung immer knapper. Verschärft werde die Situation in Österreich durch einen beträchtlichen "Brain Drain" in andere europäische Länder, aber auch in die USA.

Strukturelle Bedingungen als Faktor

Als zweiten wesentlichen Faktor nannte Gornik die Rahmenbedingungen für Forschung und Entwicklung, die Strukturen. So zeige die Max-Planck-Gesellschaft in Deutschland, wie durch optimale Förderung von Spitzen-Forscherpersönlichkeiten und ein kompetitives Umfeld in wenigen Jahren eine Themen- und in der Folge eine Technologieführerschaft erreicht werden könne. "Seit den fünfziger Jahren gibt es 32 Nobelpreisträger in den Max-Planck-Instituten", so Gornik.

Auf der anderen Seite würden die EU-Programme zeigen, was man durch bürokratische Maßnahmen und "zum Teil unnatürliche Kooperationen" erreichen könne. "Die Budgets der EU-Programme übersteigen mehrfach das Max-Planck-Budget, das Ergebnis ist aber kaum vergleichbar", so der Alpbach-Vizechef, der auch Geschäftsführer der Austrian Research Centers (ARC) ist. Die Schaffung großer bürokratischer Überstrukturen erzeuge noch keine Kreativität und keine Durchbrüche. (APA)

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