Hitzewelle in Südeuropa forderte tausende Todesopfer

27. August 2003, 12:31
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Mehr als 10.000 Tote in Frankreich - Chirac fordert Aufklärung

Die Hitzewelle in Südeuropa hat in den vergangenen Wochen offenbar Tausende Todesopfer mehr als bisher zugegeben gefordert. Das größte französische Bestattungsunternehmen PFG hatte schon vor Tagen geschätzt, dass in den ersten drei heißen Augustwochen 10.400 Menschen im Land mehr gestorben seien als im gleichen Zeitraum der Vorjahre. In Portugal kamen nach Angaben der Gesundheitsbehörden vom Donnerstag während der Hitzeperiode vom 27. Juli bis zum 12. August 1.316 Menschen mehr ums Leben als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. In Italien sind Presseberichten zufolge seit Juli etwa 500 Alte und Kranke an den Folgen der Hitze gestorben.

Portugal

Bei den meisten Hitzeopfern in Portugal handelte es sich den Angaben zufolge um alte und schwache Menschen. Im Jahr 1991 hatte es im Südwesten der Iberischen Halbinsel 1.300 Hitzetote gegeben, 1981 waren es gar 1.900 gewesen. Während der diesjährigen Hitzewelle hatte die Temperatur in dem Dorf Ameraleja in der Region Alentejo mit 47,3 Grad den höchsten Wert erreicht, der jemals in Portugal gemessen wurde. Die Hauptstadt Lissabon verzeichnete mit 41,7 Grad ebenfalls einen Hitzerekord.

Spanien

Die Regierung in Spanien geht weiterhin nur von etwa 100 Opfern aus. Nach den Statistiken der Gemeinden und der Bestattungsunternehmen gab es allerdings auch dort während der Hitzewelle Hunderte oder Tausende von Todesfällen mehr als im Vorjahreszeitraum.

Italien

In Italien gibt es keine offiziellen Zahlen. Viele Menschen seien zu Hause gestorben, heißt es in Berichten. Gesundheitsminister Girolamo Sirchia fordert, man müsse sich auf ähnliche Notfälle auch in der Zukunft einstellen. Die Gesundheitsversorgung und Betreuung der Alten zu Hause müsse verbessert werden.

Kritik am Krisenmanagement

In Frankreich hat die Kritik am Krisenmanagement während der Hitze zu einer politischen Krise geführt. Staatspräsident Jacques Chirac hat sich am Donnerstag erstmals zu den Folgen der Hitzewelle geäußert und eine bedingungslose Aufklärung der Gründe für den Tod von vermutlich mehreren Tausend Menschen versprochen. Nach einer Kabinettssitzung sagte Chirac, der erst am Mittwoch aus dem Urlaub zurückgekehrt war, es werde alles getan, um die Missstände im Gesundheitssystem zu beheben.

Chirac äußerte sich nicht zu dem in die Kritik geratenen Gesundheitsminister Jean-Francois Mattei. Er sprach lediglich von "einer großen Zahl" von Opfern. Am Mittwoch hatte das größte französische Bestattungsunternehmen PFG geschätzt, dass in den ersten drei heißen Augustwochen 10.400 Menschen mehr gestorben seien als im gleichen Zeitraum der Vorjahre. (APA/dpa)

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