Chirac: Irak unter UNO-Führung

22. August 2003, 18:04
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Frankreich will sich nicht ohne erweitertes UNO-Mandat an Stabilisierung beteiligen - Wieder ein US-Soldat im Irak getötet

Paris/Washington - Frankreich will sich auch nach dem Anschlag auf das Hauptquartier der UNO in Bagdad nicht ohne erweitertes UNO-Mandat an der Stabilisierung des Irak beteiligen. Chirac sagte in einem Telefonat mit UNO-Generalsekretär Kofi Annan, in dem er ihm sein Beileid für die Opfer des Anschlags aussprach, die Linie seiner Regierung sei unverändert. Paris halte es jetzt mehr denn je für nötig, dass die politische Führung im Irak nach einem festen Fahrplan an die Vereinten Nationen übergehe.

Russland skeptisch

Für Russland stellt sich auch nach dem Anschlag auf die UN-Mission in Bagdad nicht die Frage einer Entsendung internationaler Friedenstruppen in den Irak. Die Verantwortung für die Sicherheit der UN-Vertreter liege bei den Besatzungstruppen der Amerikaner und Briten, sagte Vizeaußenminister Juri Fedotow am Donnerstag in Moskau.

Bisher gäbe es im Weltsicherheitsrat keine Vorschläge, Truppen aus anderen Ländern zur Stabilisierung in den Irak zu entsenden, sagte Fedotow nach Angaben der Agentur Interfax. "Wenn solche Vorschläge vorgelegt werden, ist Russland bereit, sie zu prüfen und an der Beratung teilzunehmen."

Russland lehnt eine Entsendung eigener Truppen in den Irak ab. Die Moskauer Presse sieht aber Russland genau wie Deutschland unter Druck, sich stärker im Irak zu engagieren, um den Vereinten Nationen eine führende Rolle bei der Befriedung des Landes zu ermöglichen. "Die UN-Mission muss geschützt werden, folglich müsste man auch Soldaten schicken", schrieb die Zeitung "Kommersant" am Donnerstag

Im Irak ist unterdessen erneut ein US-Soldat ums Leben gekommen. Nach Angaben des US-Zentralkommandos wurde der Amerikaner in der Nacht zum Donnerstag durch einen "behelfsmäßigen Sprengsatz" getötet. Zwei weitere Soldaten seien verletzt worden. Einzelheiten des Vorfalls wurden zunächst nicht bekannt.

Das Bagdader Tagungszentrum, in dem sich auch das Pressezentrum der US-geführten Koalition befindet, wurde am Nachmittag aus Sicherheitsgründen vorübergehend geräumt. Es habe sich aber um einen falschen Alarm gehandelt, sagte eine Koalitionssprecherin wenig später. Polen verstärkte den Schutz seiner Botschaft in Bagdad. Das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) verschob die Rückkehr einer ersten Gruppe irakischer Flüchtlinge aus dem Iran auf unbestimmte Zeit. (APA/dpa)

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    Frankreichs Staatspräsident Jacques Chirac.

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