Sandoz: Generika kaum preiswirksam

23. August 2003, 18:53
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Chef der Generika-Tochter des Schweizer Pharmariesen Novartis warnt vor übertriebenen Hoffnungen

Beitragen zur Reduktion der heimischen Medikamentenkosten würde ein verstärkter Einsatz von Generika. Das sind Kopien oder "Nachbauten" von Pillen, deren Patentschutz abgelaufen sind. Sie bestehen aus den chemisch identischen Wirkstoffen, sind aber durchschnittlich um ein gutes Drittel billiger.

Während sie in Österreich ein stiefmütterliches Dasein fristen (Marktanteil knapp zehn Prozent), entfallen in Deutschland schon 40 Prozent aller verschriebenen Pillen auf Nachahmerpräparate, in Dänemark 60 Prozent. Der weltgrößte und für die Pharmakonzerne lukrativste Markt für Generika – damit auch der am heißesten umkämpfte – sind die Vereinigten Staaten.

Stein der Weisen

Dennoch seien Generika nicht der Stein der Weisen bei der Reduktion der österreichischen Medikamentenausgaben, meint Christian Seiwald, der Chef von Sandoz, der Generika-Tochter des Schweizer Pharmariesen Novartis. Der Sandoz-Boss warnt vor überzogenen Erwartungen: "Ich glaube, dass das genannte Einsparungspotenzial von 100 Millionen Euro absolut übertrieben ist."

Grund: Wenn ein Generika-Hersteller ins Heilmittelverzeichnis aufgenommen werden möchte, muss sein Medikament um 30 Prozent billiger als das Original sein. Bleibt der Preis für das Originalpräparat um zehn Prozentpunkte über dem Generika-Preis, bleibt es im Heilmittelverzeichnis. Das würde die preisliche Differenz zwischen Original und Kopie nivellieren und so das Sparpotenzial minimieren, sagt Seiwald. Zur Förderung der Generika könnte man beispielsweise die Rezeptgebühr für sie reduzieren und so die Patienten zur Generika-Verwendung animieren.

In den USA haben Generika dagegen viel größere Nebenwirkungen auf die Medikamentenpreise. Jenseits des Großen Teichs halbiere die Einführung eines Generikum in kurzer Zeit den Preis für das kopierte Originalpräparat. "Das Original verschwindet innerhalb von Wochen vom Markt, weil die Versicherungen dafür nicht mehr zahlen", schildert Seiwald die Nebenwirkungen der Generika.

Das erklärt auch das jüngste Gerangel in den USA. So hat Sandoz jetzt ein Nachahmerpräparat zur Behandlung von Magen- und Zwölffingerdarm- Geschwüren auf den Markt gebracht – obwohl der Originalhersteller von Omeprazol (mit einem Umsatz von sechs Milliarden Dollar das größte Einzelpräparat der Welt) weiter ein Patent hat.

Sandoz ist die Nummer zwei am weltweiten Generika-Markt und liegt fast gleichauf mit der israelischen Teva. (DER STANDARD, 22.8.2003)

von Clemens Rosenkranz
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